braunschweig: jan pusch «final fiction»
Der Anfang spricht schon vom Ende. «I did it my way!», singt Robert Bell und öffnet die Arme zu ausladenden Showmaster-Gesten. Mehr Worte hat er nicht, wiederholt sie aber, als habe er sich für die endgültige Version noch nicht entschieden. Jede ist so super wie er. Er schlenzt über die Bühne, springt auf den Tisch, Applaus brandet aus dem Off, dann auch aus dem Publikum. In «Final Fiction» geht es Jan Pusch um den erfundenen Blick zurück auf das, was ein Leben war, um gebastelte Erinnerungen, biografische Szenen.
Im Grunde ein soziologisches, psychologisches oder theatralisches Thema. Für den Tanz?
Jener unsterbliche Frank-Sinatra-Song wird später auf Deutsch gesprochen wie ein cooler Abschiedsvortrag. Eine überzuckerte Trauerrede kommt hinzu, ein nervöser Telefonanruf – «Was ich dir schon immer sagen wollte» –, der aber nie zum Punkt kommt: eine Auflistung von Möbeln und Dingen in einem Zimmer. Ein Tänzer als Auktionator ballert Nummern, Preise, Möbel, Dinge – Tisch, Zeitung, Thermoskanne – und «rosabraun gestreifte Krawatte» in ein Mikrofon. «Verkauft!» Ein Beamer wirft Fotos menschenleerer Zimmer an aufgestellte weiße Tische. Die Kos-tüme von Ullinca Schröder für die fünfzehn ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: kalender, Seite 36
von Melanie Suchy
Auf allen vieren jault ein Anzugträger. Lustvoll zerrt ihn ein anderer am Kragen, bis dem Hund selbiger platzt und er im zärtlich-zornigen Spiel von Annäherung und Erniedrigung sein Herrchen zu Boden stößt. Dabei beginnt Crystal Pites «The You Show» recht harmlos mit einem Identifikationsappell: «This is your voice», raunt eine Frauenstimme und erklärt, der agile...
«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst...
Das Festival am Haus der Kulturen der Welt wird diesmal von Jens Hillje zusammen mit Irina Szodruch und Tang Fu Kuen kuratiert. Für sie ist ein Künstler kein Ganzes. Dick Wong tanzt zwei sich ständig voneinander entfernende und sich wieder annähernde Teile einer Persönlichkeit. Der Kanadier Dave St-Pierre verortet die beiden Seelen nicht in der Brust, sonden an den...
