bozen on tour
Durch die Leere führt ein Strich. Aus dem Strich wird ein Kreis. Je transzendentaler, desto besser. Nacera Belaza macht keine Bühnenshows. Bei ihr laufen repetitive Muster, von Anfang bis Ende mit minimalen Variationen durchsetzt. Da bleibt nichts kleben. Keine Geschichte, keine Bilder, keine zeitliche Orientierung. Selbst der Titel hilft nicht. Dabei setzt «La Traversée», auf Deutsch «Durch»- oder «Überquerung», Begriffe wie Anfang, Ende und Dauer voraus, und noch dazu eine Idee von Linearität.
In «La Traversée» läuft alles rund anstatt linear.
Drei Damen und ein Herr in dunkel verwaschenem Einheits-Outfit drehen sich im Kreis und rotieren durch eine Art Schwarzes Loch wie Gestirne um einen Magnetkern, der sich immer wieder umpolt. Nähern sie sich einander, so verbiegt sich die innere Statik der Körper und verschiebt deren Umlaufbahnen. Hinterließen sie Spuren, ergäben sich wohl Rosettenmuster. Das ganze System ist zwar intuitiv durchschaubar, aber so ausgefeilt und komplex, dass es mit immer neuen Variationen von Intensität und Rhythmen überrascht. Der fotografischen Momentaufnahme entzieht sich diese Arbeit völlig. Nur in der Dauer entfaltet «La Traversée» seine Wirkung, über ...
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Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
Sein Pensum ist atemberaubend – jeder Tag voll mit Terminen, Proben, Verhandlungen, Telefonaten. Zumal seit feststeht, dass Sidi Larbi Cherkaoui neuer Leiter des krisengebeutelten Königlichen Balletts Flandern wird. Eigentlich müsste der Star aus Brüssel also schwer gestresst sein. Doch er ist Buddhist und sitzt noch am Tag vor der Premiere seines neuesten Stücks...
Tänzer haben’s gerne warm. Das Training beginnt morgens in Beinwärmern, Stulpen, Socken, Overalls oder Sporthosen, in den Pausen wickelt man sich in Selbstgestricktes und zieht die dicken, gefütterten Dance Booties über die Füße. Zoulfia Choniiazowa dagegen betritt um neun Uhr morgens einen kleinen Raum, in dem minus 110 Grad herrschen, eine Temperatur, wie sie auf...
Allein schon das Bühnenbild kann sich sehen lassen. Eno Henze, ein Berliner Künstler, hat es entworfen. Wuchtig in seiner Wirkung und zugleich beweglich, gibt es der Alt-Saga «Tristan + Isolde» auf abstrakte, aber wandelbare Weise Raum. Von Bert Dalhuysen ingeniös beleuchtet, scheint alles in der Schwebe, besitzt aber Atmosphäre genug, die Schauplätze aufs...
