bozen: Movingtheatre.de «Site Specific»
Keiner ist allein. Dem einen ist das Wunschdenken, dem anderen Warnung: «Kompromisse machen, Rücksicht nehmen, sich anpassen.» Tänzer und Choreograf Massimo Gerardi schnauft die Worte heraus, Verachtung zischt durch jede Silbe, während er erdschwere Bewegungsarbeit verrichtet. Tanz als Kraftakt, die Muskelleistung eines kompakten Körpers. Bleiches Gesicht, stur gesenkter Blick – ein vernagelter Geist in einem bald schon festgenagelten Leib. Mit wütenden Schlägen hämmert Gerardi seine Militärstiefel auf ein Brett. Seine Position ist definiert, er grenzt sich ein und die anderen aus.
So weit die eine Seite von «Site specific – you are not alone anyway!». Ein Tanztheater um zwei Männer und eine Mauer, das von der Kölner Gruppe movingtheatre.de zum 20. Jahrestag des Mauerfalls produziert wurde und 2009 den «Kölner Tanzpreis» bekam. Kein politischer Tanzkommentar zum deutschen Trauma. Aber eine furchtlos-direkte Befindlichkeitsstudie, ein Rückblick auf die launisch-emotionalen Stadien einer Teilung.
Das Publikum wird halbiert, ebenso die Bühne mit einer Wand aus Kartons. So sieht man nur die eigene Seite, kriegt aber die Geräusche hinter der Pappmauer mit. Wie einst in Deutschland. Man ...
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