Bonn, Mühlheim
So möchte man Tanz jetzt immer untermalt haben: mit individuellem Kopfhörer auf den Ohren, der die eigene Geräuschhaftigkeit, vor allem aber die der lästigen Mit-Theaterbesucher ausblendet – titelgemäß: «Nur Ich!» Ein überwältigendes Sounderlebnis von Jörg Ritzenhoff, seit Jahren Hauskomponist der Bonner Kompanie CocoonDance. Über Kopfhörer dringt zunächst unruhiges Atmen direkt ins Hirn der Zuschauer.
Unwillkürlich überträgt man das Geräusch auf den Körper auf der Bühne, fühlt sich ihm trotz räumlicher Distanz ganz nah.
Ein nackter Mann mäandert durch Posen, sucht als Chimäre nach einer Seinsform: auf dem Boden liegend, zittrig wie die Linien auf einem Egon-Schiele-Akt, dann kauernd mit modellierten Muskeln wie ein Rodin-Denker, später schmerzlust-zerquält wie die Schwulenikone vom Hl. Sebastian.
Damit beginnt die neue Produktion «No Body But Me» von CocoonDance-Choreografin Rafaële Giovanola, und Tänzer Álvaro Esteban präsentiert die Posen mit perfektem Mix aus Narzissmus, spöttischer Distanz und echter Sinnlichkeit. CocoonDance hat schon seit Längerem eine Schwäche für die Vorsilbe «post». Die «postnarrative Postmoderne» von Foucault & Co verwandelten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 45
von Nicole Stecker
Ausblick
On tour
«piano piano»: Acht Tänzerinnen und Tänzer aus drei Tanzensembles, K. Kvarnström & Co, Andersson Dance und Zero Visibility Corp., bewegen sich zur Musik von Franz Schubert, live gespielt von der japanischen Pianistin Asuka Nakamura. Die drei skandinavischen Choreografen Örjan Andersson, Kenneth Kvarnström und Ina Christel Johannessen haben...
Das Saisoneröffnungs-Programm des Ballet Vlaanderen kombiniert unter dem Titel «West» zwei Meisterstücke postmoderner Amerikaner: Merce Cunninghams «Pond Way» und William Forsythes «Approximate Sonata 2016» – ergänzt durch das Mittelstück «Shahrazad», die jüngste Arbeit des tunesisch-amerikanischen Choreografen Jonah Bokaer. Seinen großen Vorgängern kann...
An Stereo hat man sich inzwischen ja gewöhnt. Um Musik so hörbar zu machen, dass man dabei wieder die Ohren spitzt, muss man sich deshalb schon etwas Besonderes einfallen lassen. Etwas, das zum Beispiel Patrick Leuchter mit «Seven Spaces Cologne» versucht. Unter diesem Titel legt der Komponist und Sound Designer nicht einfach ein Album vor, das er gemeinsam...
