big bang boléro

Verständigung, Erotik und Ruhm. Ravels Geniestreich von 1928 steht für all das. Auch für den Militarismus. Warum wirkt der «Boléro» auf Choreografen immer noch so anziehend?

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Erfolg und Ruhm sind unberechenbare Gesellen. Oft stellen sie sich völlig überraschend ein, manchmal fast schon unerwünscht. Heiner Müller machte diese Erfahrung und äußerte seinen Frust darüber, dass ausgerechnet das von ihm gar nicht geliebte «Quartett» sein erfolgreichs-tes Stück wurde.

Noch gefährlicher leben Komponisten, werden sie doch zu leicht auf einen Ohrwurm reduziert – Wolfgang Amadeus Mozart auf die Gassenhauer aus der «Zauberflöte», Ludwig van Beethoven auf eine Handvoll Götterfunken, Georges Bizet auf «Carmen» und Nikolai Rimski-Korsakow auf ein paar Minuten «Hummelflug». So geht es allen, die nicht für einen Bruch in der Kunstgeschichte und damit für einen Stil stehen, sondern einfach für Exzellenz.

Am schlimmsten traf es Maurice Ravel mit seinem «Boléro». Der schnelle Erfolg des simpel konstruierten Werks ließ Ravel fürchten, dass sich allerlei Amateurorchester darauf stürzen würden. Womit er goldrichtig lag. Ein einziges Motiv, unablässig wiederholt und immer intensiver orchestriert, daran versucht sich jedes Feierabendorchester. Ravel selbst erklärte, der Aufbau wäre für jeden Studenten am Konservatorium machbar gewesen. Im Minutentakt erklingt das Werk heute, ...

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Tanz August 2010
Rubrik: traditionen, Seite 78
von Thomas Hahn

Vergriffen
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