big bang boléro
Erfolg und Ruhm sind unberechenbare Gesellen. Oft stellen sie sich völlig überraschend ein, manchmal fast schon unerwünscht. Heiner Müller machte diese Erfahrung und äußerte seinen Frust darüber, dass ausgerechnet das von ihm gar nicht geliebte «Quartett» sein erfolgreichs-tes Stück wurde.
Noch gefährlicher leben Komponisten, werden sie doch zu leicht auf einen Ohrwurm reduziert – Wolfgang Amadeus Mozart auf die Gassenhauer aus der «Zauberflöte», Ludwig van Beethoven auf eine Handvoll Götterfunken, Georges Bizet auf «Carmen» und Nikolai Rimski-Korsakow auf ein paar Minuten «Hummelflug». So geht es allen, die nicht für einen Bruch in der Kunstgeschichte und damit für einen Stil stehen, sondern einfach für Exzellenz.
Am schlimmsten traf es Maurice Ravel mit seinem «Boléro». Der schnelle Erfolg des simpel konstruierten Werks ließ Ravel fürchten, dass sich allerlei Amateurorchester darauf stürzen würden. Womit er goldrichtig lag. Ein einziges Motiv, unablässig wiederholt und immer intensiver orchestriert, daran versucht sich jedes Feierabendorchester. Ravel selbst erklärte, der Aufbau wäre für jeden Studenten am Konservatorium machbar gewesen. Im Minutentakt erklingt das Werk heute, ...
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Immer wieder erstaunt Anne Teresa De Keersmaeker damit, wie sie zugleich einen neuen Blick auf ihr Werk findet und doch die klare Linie behält. Nach der Stille in «The Song» kündigte sie an, zu einer Musikform zu wechseln, die so komplex sei, dass man schon von Manierismus sprechen könne, der Ars subtilior. Dann lässt sie in Stille tanzen, in der Stille der Natur....
Ein Tabu ist etwas, über das allgemeines Stillschweigen bewahrt wird. Aber nicht, weil es zum betreffenden Thema nichts zu sagen gäbe – im Gegenteil: All die im Kollektivbewusstsein angesammelten Klischeevorstellungen und Vorurteile machen aus der Thematisierung eines Tabus sehr schnell eine Angelegenheit, die je nach Standpunkt und Geschmack als willkommene...
Mit 25 Jahren kam Jessica Iwanson, die damals schon in der Welt herumgekommen war, nach München, mietete den großen Circus Krone für eine ausverkaufte Vorstellung – und blieb. Knapp vierzig Jahre, unzählige Aufführungen und Schülergenerationen später, würdigte die Landeshauptstadt München ihr «Tanzschaffen» mit dem städtischen Tanzpreis. Das Preisgeld von 10.000...
