Beethoven-Projekt

«Projekt», das ist ein seltenes Wort im John-Neumeier-Kosmos. Fragmente oder Skizzen gab es schon, 2018 kam das «Beethoven-Projekt» dazu. Hamburgs Langzeitballettdirektor bezeichnet es selbst als Zwitter und Unikum in seinem Œuvre. Ein Werk von weit über zwei Stunden Länge, kein biografisches Handlungsballett, obwohl Lebensstationen aufgerufen werden, und auch keine sinfonische Studie, obwohl der Choreograf das letzte Drittel mit der 3. Sinfonie bestreitet.

Beethoven, das ist der schöne, sehnige, sehr intensive und junge spanische Tänzer Aleix Martínez (tanz 6/19), der sich zunächst einmal im Schatten junger Männerblüte elegisch ergeht. Indem er den Flügel, sein Instrument, umschlingt. Dann wird er Spielfigur, und zwar im Intermezzo des sanft parodistischen «Prometheus»-Ballett, in dem Edvin Revazov Apollo gibt. Ebenfalls dabei: Beethovens früh verstorbene Mutter -(Patricia Friza), sein mit dem Gewehr paradierender Neffe (Borja Bermudez) und die «unsterbliche Geliebte» (Anna Laudere), die als Terpsichore wiederkehrt. Mutig und offen choreografiert Neumeier eher ein Beet-hoven-Pasticcio, bestehend aus dem Tanzmotiv der Eroica-Klaviervariationen, gefolgt von «Die Geschöpfe des ...

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Tanz April 2020
Rubrik: Beethoven, Seite 19
von Manuel Brug