auto ficto reflexo - adam linder

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Im Koordinatensystem des choreografischen Kulturbetriebs sind die Rollen klar verteilt. Kritiker verreißen Tanz, Essayisten beflügeln ihn. Und Choreografen wie Interpreten machen ihn. Eigentlich. Es gibt indes Ausnahmen wie Adam Linder. Denn einer wie der Berliner aus den USA ist in diesem Modell nicht vorgesehen. Der nämlich schnappt sich Versatzstücke aus Kritiken und Essays und vertanzt sie in einem «Auto Ficto Reflexo».

Auf einem quadratischen Plateau verschieben sich Linder und sein Bühnenpartner Justin Kennedy wie auf einem Spielbrett, ungefähr so, als wollten sich hier zwei Schachfiguren selbst aufstellen. Die Regeln dazu scheinen sich aus Textpassagen zu ergeben, die Adam Gunther musikalisch aufbereitet hat. Es sind Auszüge aus Rezensionen, Pressematerial und Interviews. Was beweist: Bühnentanz ist dem sogenannten Diskurs ausgesetzt. Linder dreht also den Spieß um und tanzt den Diskurs. Tanzt, was bereits beschrieben, bewertet, reflektiert worden ist.

Kann man darüber nun noch einmal schreiben? Wird der Autor dann nicht zum Wiederkäuer eines Wiederkäuers? Im begleitenden Handout zu «Auto Ficto Reflexo» nimmt uns Linder zumindest eine Last schon mal ab: die der knallharten ...

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Tanz August-September 2015
Rubrik: Produktionen, Seite 17
von Thomas Hahn

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