edinburgh: damien jalet «yama»
Jede einzelne Bewegung, die Damien Jalet in dieser Auftragsarbeit für die exzellenten Performer des Scottish Dance Theatre kreiert hat, ist entweder bis ins kleinste Detail auschoreografiert oder komplett frei – frei in der vertikalen oder horizontalen Ausdehnung, bis die Tänzer auf die Körper benachbarter Kollegen stoßen. Nur eines dürfen die Performer nicht: den Blick heben und ins Publikum schauen. «Yama» (japanisch für «Berg») evoziert ein mythologisches Universum des ständigen Werdens und Vergehens, in dem jede soziale Beziehung erst ausprobiert werden muss.
Wie außerirdische Wesen haben die Figuren nur einen Kommunikations-Code gemeinsam: Bewegung. Zu Beginn kriechen sie langsam aus der zentralen Öffnung eines kraterförmigen hölzernen Podestes des amerikanischen Künstlers Jim Hodges. Nacheinander erscheinen Beine und Arme aus diesem Vulkankrater, tauchen auf, verschwinden wieder, ein geschlechtsloses Knäuel aus Gliedmaßen, wie die Tentakel eines Monsters, das aus dem Untergrund zu neuem Dasein drängt.
Zu den dissonanten elektronischen Klängen des israelisch-französischen Musiker-Duos Winter Family entspinnt sich ein 20-minütiges Ritual, in dem die einzelnen Körper sich immer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August-September 2015
Rubrik: kalender, Seite 50
von Sergio Lo Gatto
Als Erstes fällt sein Yorkshire-Dialekt ins Ohr, leicht abgeschwächt nach jahrelanger Tätigkeit in London und anderswo, aber noch immer mit dem unverkennbaren Tonfall der Region um Huddersfield, wo er 1957 geboren wurde: warm, entspannt, freundlich, wie David Bintley selbst. Er trägt einen blauen Pulli und Jeans, ist mittelgroß gewachsen, und sein dunkles Haar...
Noch ist die Bühne nicht abgeräumt. Ein paar Strohballen lassen sofort an «La Fille mal gardée» von Frederick Ashton denken. In zwiefacher Gestalt findet sich das Federvieh, und auch das rote Band ist da, das in der Uralt-Inszenierung des Royal Ballet eine nicht nur dekorative Rolle spielt. Emma Daniel könnte man sich darin durchaus vorstellen. Doch der...
«Peters – Tanzarchiv» steht auf dem Klingelschild – seit mehr als 40 Jahren. Seit das Ehepaar Peters in die Wohnung in dem grün-weißen Haus am Brüsseler Platz in Köln eingezogen ist. «Aber es ist schon lange nichts mehr hier», stellt Gisela Peters klar und weist mit dem ausgestreckten Arm in die Wohnung. Und die proppenvollen Regale? «Alles Bücher, die nichts mit...
