Augen-Künstler
Auf der glatten Oberfläche des Tanzfotos gehen zwei Medien miteinander eine Symbiose ein: der bewegte Tanz und die festlegende Fotografie – Gegensätze, die größer kaum sein könnten. Denn es ist gerade die Bewegung, die in der Geschichte der Fotografie über das rein Dokumentarische hinaus die schlichte Abbildung eines spezifischen Inhalts überragt. Diese Bewegung fordert die Fotografie heraus.
So stellt dies auch Roland Barthes in seinem Schlüssel-Essay «Die helle Kammer» gleich zu Beginn dar: «Von Natur aus hat die Fotografie etwas Tautologisches: eine Pfeife ist hier stets eine Pfeife, unabdingbar. Man könnte meinen, die Fotografie habe ihren Referenten immer im Gefolge und beide seien zu der gleichen Unbeweglichkeit verurteilt, die der Liebe oder dem Tod eignet, inmitten der bewegten Welt: sie sind aneinander gebunden, Glied an Glied.» Barthes weist hier darauf hin, dass die Fotografie in der Rezeption stets über den Inhalt wahrgenommen wird. «Kurz gesagt, der Referent bleibt haften. Und dieses einzigartige Haftenbleiben bedingt die so großen Schwierigkeiten, der Fotografie auf die Spur zu kommen.» Die Tanzfotografie ist hier ein besonders hartnäckiger Fall dieses Verweigerns, ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 39
von Christiane Kuhlmann
Anne Teresa De Keersmaeker gehört nicht unbedingt zu den sonnigen Gemütern der Tanzszene. Die ernste Miene über einem mit den Jahren immer asketischeren Körper lässt zunehmend an Pina Bausch denken, die allerdings, je älter sie wurde, desto häufiger auch öffentlich lachte. Bei De Keersmaeker verblüfft es umso mehr, wenn ihr nach dem Ende von «Partita 2», ihrem im...
Tanzkrimi des Jahres: Das Bolshoi
Choreograf des Jahres: John Neumeier
Tänzerin des Jahres: Anne Teresa De Keersmaeker
Kompanie des Jahres: Ballett am Rhein
Tänzer des Jahres: Stuttgarter Männer
Newcomer des Jahres: Dada Masilo
Man kann den künstlerischen Bühnentanz in noch so hoher Qualität betreiben – das allein reicht niemals aus, um in eine Gesellschaft wirklich hineinzuwirken oder mehr Menschen zu erreichen. Wie beim Kino, wie beim Konzert – und beides ist verbreiteter als das Ballett – gilt: Es müssen für die Gesellschaft Bilder geschaffen werden. Und weil es nie und nirgendwo eine...
