auf dvd: Marquis de Sade
Gregor Seyffert liebt es groß. Der einstige Solotänzer der Komischen Oper Berlin und «Prix-Benois»-Träger war Nijinsky in «Clown Gottes». Die Produktionen seiner eigenen Kompanie waren immer mehr als bloß Ballette, hatten den Hang zum überbordenden theatralen Spektakel. 2006 realisierte er seinen bislang größten Coup, ein «Cross-Genre-Aktionstheater» über das Leben jenes verarmten französischen Adligen Donatien-Alphonse-François de Sade, den alle Welt nur als Marquis de Sade kennt – und entweder als Freidenker lobpreist oder als gottlosen Wüstling verabscheut.
Über 75 Darsteller setzte Seyffert in «Marquis de Sade» ein, in den Sommermonaten wurden an den Wochenenden regelmäßig drei Vorstellungen hintereinander gegeben. 56.000 Besucher (laut DVD-Booklet) ließen sich in den vier Jahren an das stillgelegte Riesenkraftwerk in Vockerode nahe der Bauhaus-Stadt Dessau locken. Seyffert tat etwas touristisch Verwertbares in der wirtschaftlich alles andere als prosperierenden Region. Doch künstlerisch war «Marquis de Sade» von eher fragwürdiger Qualität, Seyfferts Choreografie bewegte sich in etwa auf dem Niveau von Fernsehshow-Balletteinlagen.
Nun ist «Marquis de Sade» auf DVD erschienen. ...
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