Armen Hakobyan «Der Glöckner von Notre Dame»
Hässlich? Buckelig? Missgestaltet? Keineswegs. Quasimodo ist ein liebenswerter, gerade gewachsener, kräftiger Kerl, gekleidet in ärmliches Sackleinen, Gürtel um die Taille. Es ist die Psyche, die ihn in «Der Glöckner von Notre-Dame» zum Außenseiter macht: kindlich, verspielt, übermütig. Und wenn die schöne Esmeralda, als Roma ebenfalls am Rande der Gesellschaft, ihre Arme um seinen Hals legt, er sie anhebt, pendelt sie wie seine berühmte Glocke im Turm. Ein wundervolles Bild.
Ersonnen hat es Armen Hakobyan, neuer Co-Ballettintendant und Hauschoreograf des Aalto-Theaters für seinen ersten Abendfüller: eine opulent ausgestattete Tanz-Version von Victor Hugos Roman (1831).
Hakobyan hat sich irgendwann an den kleinen Jungen erinnert, der mit dem Großvater in seiner Heimatstadt Eriwan/Armenien den Film «Der Glöckner von Notre Dame» mit Anthony Quinn und Gina Lollobrigida sah. Irgendwann habe Hakobyan das Kind in Quasimodo gesehen – einsam, verletzt, voller Sehnsucht nach Nähe. Und plötzlich sei da keine Angst mehr gewesen, sondern nur Mitgefühl.
Der Star des Abends sind die Kulissen (Ramon Ivars). Ein buntes Rosettenfenster, mit fast sechs Metern Durchmesser, leuchtet im Hintergrund ...
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Tanz März 2026
Rubrik: Kalender, Seite 38
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