Anne Teresa de Keersmaeker: «Die sechs Brandenburgischen Konzerte»
Anne Teresa De Keersmaeker, Sie haben unlängst in einem Vortrag am Pariser Collège de France Erstaunliches über ihr Verhältnis zur Musik preisgegeben. Sie sagten: «Die Musik war mein erster Partner, ja sogar mein erster Meister.» Ferner betonten Sie, dass Sie nicht nur in einen Dialog mit der Musik treten, «da es sich schließlich um eine Liebesgeschichte handelt».
Und weiter: «Wer gäbe sich schon mit einem bloßen Dialog zufrieden, wenn erst einmal das Begehren auf den Plan tritt? Wir fordern, wir geben und nehmen, wir versuchen, das Geheimnis des anderen zu durchdringen, doch noch mehr verlangt es uns danach, unsere eigenen Geheimnisse durch den anderen enthüllt zu wissen – jene Geheimnisse, die uns sonst verborgen blieben.» Übt die Musik wirklich eine so große Macht über Sie aus?
ATDK: Ja, das habe ich gesagt, immer und immer wieder. Aber es gibt sie nicht, die eine Formel, die meine Beziehung zur Musik erschöpfend beschreiben würde. Ich habe eine ganze Reihe von Strategien entwickelt. Manchmal, wenn auch nur selten, ignoriert der Tanz die Musik fast gänzlich – wie im Falle der künstlerischen Beziehung von John Cage und Merce Cunningham. In anderen Fällen haben mich die ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 120
von Pieter T‘Jonck
Ihre jüngste Arbeit «Harleking» ist ein endloser Kreislauf, bestückt mit sehr präzisen Gesten und Einfällen, die mal sitzend, mal stehend sich zueinander fügen und den Zuschauer erst fragend und dann staunend zurücklassen. Ginevra Panzetti und Enrico Ticconi, gebürtige Römer beide, nutzen die Kraft des Minimalismus bei gleichzeitig barockem Überfluss der...
Ich habe keinen Talisman oder Glücksbringer, den ich vor Beginn meiner Auftritte einsetze. Ich glaube, das liegt daran, dass ich inzwischen gelernt habe, dass in den kostbaren Momenten vor Vorstellungsbeginn manchmal ganz von selbst völlig unerwartete Dinge passieren können. Ein Beispiel: Ein Freund kriegt kein Ticket für die Vorstellung, oder ein Kollege erkrankt...
Um zu verstehen, worauf wir auf den ersten Blick perplex oder belustigt reagieren, könnten wir in den DeLorean DMC-12 aus «Zurück in die Zukunft» steigen und den Fahrer bitten, uns im Jahr 2120 abzusetzen, falls es dann noch ein bewohnbares Fleckchen Erde gibt. Im Fokus unserer Neugier stünde nicht, was wir aus der Welt gemacht haben, das überlassen wir dem...
