Ann Liv Young: "Snow White"
Was Ann Liv Young in der Rolle des Schneewittchens zu Beginn von «Snow White» postuliert, ist eigentlich selbstverständlich: «Ihr könnt uns durch das Stück folgen, müsst es aber nicht.» Hätte sie es nicht ausgesprochen, man würde diesen New Yorker Furien tatsächlich raten, die Vertragsbedingungen mit dem Zuschauer zu rekapitulieren.
«What’s love got to do with it?» Ein lesbisches Musical mit drei aufgedrehten Cheerleaders, die Disco-Gassenhauer ins Mikro grölen: «Love is a battlefield». Vorne steht ein Märchenschloss aus Bauklötzen, hinten Rosentöpfe.
Drei Frauen, kein Zwerg, keine Fee. Es geht nicht darum, ein Märchen zu erzählen, sondern gegen das Frauenbild in der Unterhaltungskultur zu rebellieren. Ann Liv Young gehört zu einer neuen Generation weiblicher Choreografen, trotzig und herausfordernd, die sich allen Forderungen des Kulturbetriebes widersetzen. Ihr Gestus ist offensiv und sie scheint, wie manchmal bei Jan Fabre, den Konflikt mit dem Publikum zu suchen. Doch der Belgier verteilt seine subversive Energie auch mal über Stunden und provoziert mit Langsamkeit. Youngs Trio fegt als Orkan durch den Saal, in vierzig Minuten.
Die sarkastisch überhöhte Wucht der Choreografie, ...
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Luftholen für eine große Aufgabe: mit weiten Rumpfbewegungen und tiefen Atemzügen versucht die achtköpfige Crew, auf großen, schwankenden Holzbohlen mitten im Raum sitzend, ihr Schiff in Gang zu bringen. Ein bunter Haufen, aus dem es in verschiedenen Sprachen tönt, ein romantischer Rebell im Stil Johnny Depps darunter, ein abgestumpfter Schlachtmeister, der «mit...
Brüssel ist mysteriös. Man mag als Fremder am Zentralbahnhof ankommen, über den Grand’ Place flanieren und irgendwo das winzige Manneken Pis finden – oder sich gleich bis zur Börse durchschlagen und weiter ans Kaaitheater gelangen. Der Spaziergang dauert knapp eine halbe Stunde. Aber ist das wirklich Brüssel? Man kann mit der Tanzszene rund um die Beursschouwburg...
hieß das Modewort vor und nach dem Mauerfall. Gemeint war auch die Grenze zwischen den Sparten Tanz, Theater, Musik und Kunst. In Amerika kollaborierte längst Merce Cunningham mit John Cage. Robert Wilson wanderte präzis zwischen den Genres. Da war Brüssel noch lang kein Grenzenlosland, sondern Mixed Pickles. Vom exilierten Belgisch-Kongo zur Atomium-Moderne, von...
