amsterdam on tour
Die Anfänge seiner Choreografien schiebt Jefta van Dinther gern lang sam aus einem Nullpunkt heraus: aus der Reglosigkeit, wie einst bei «It’s in the air» (2009), dem Duett des Schweden mit Mette Ingvartsen. Oder aus der Ununterscheidbarkeit der Performer vom streunenden Publikum bei «The way things go» (2011); und diesmal aus völliger Dunkelheit und Stille. Ein Wispern wird erkennbar, am Rand der Bühne von PACT Zollverein in Essen erscheint eine krumme Gestalt. Sie steht auf Plateausohlen wie ein antiker Tragöde, trägt kniekurze Hosen und macht ein tumbes Gesicht.
Der Bursche scheint etwas zu suchen oder auch nicht, wirkt ziellos. Unheimlich glitzern seine schwarzen Augen ohne Weiß. Er will verführen. Er spricht. Die wohltönende Stimme kommt von überall und nur scheinbar aus seinem Mund. «Give yourself. Kill yourself. Cure your soul. Kill your soul». Pausenlos dreisilbige Phrasen; er mampft Sprache, Anapäst als Pasta. «Gür jusel, ju jusel, mi jursaa», «me yourself», bis er fast singt. «Amü your soul» meint man später zu verstehen, bis zu: «I’m here to sell». Ein großartiger Anfang. «As It Empties Out» ist Theaterbeschwörung und Gespenstererweckung.
Lüpft der Vorsänger den grauen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2015
Rubrik: kalender, Seite 50
von Melanie Suchy
Eine sonore Stimme, aufgezeichnet 1937 von der BBC, fragt ins Rund des Royal Opera House: «Wie können wir die alten Worte neu ordnen, damit sie überleben, damit sie Schönheit erzeugen, damit sie die Wahrheit erzählen?» Es spricht die Schriftstellerin Virginia Woolf, und was sie verkündet, ist ihr literarisches Credo. Wer so vermessen ist, diese Ikone der Literatur,...
im august/september: kritik üben_______
Irmela Kästner, Kollegin und Kritikerin, hat in Hamburg sechs Tänzerpersönlichkeiten die Frage nach ihrer Kritikfähigkeit gestellt – und damit auch die Frage nach der Kritikfähigkeit von Kritikern angestoßen. Was eigentlich berechtigt zu Kritik? Die eigene Glaubwürdigkeit, sowohl die des Tänzers als auch die des Kritikers?...
Das Tokyo Ballet setzt im Jahr seines 50. Jubiläums eine ambitionierte Aufführungsserie fort, mit Werken von Maurice Béjart und einigen Neumeier-Kreationen. Den unbestrittenen Höhepunkt dieser Reihe bildet «La IXe Symphonie», Béjarts Choreografie zu Beethovens Neunter, die, gemeinsam mit dem Béjart Ballet Lausanne aufgeführt, ein symphonisches Ballett ergibt, das...
