amsterdam: daniel linehan: zombie aporia
Ein Aporem ist ein unlösbares intellektuelles Problem. Wer sich darin verfängt, mag sich bald wie ein Zombie vorkommen, dessen Körper und Geist auseinanderstreben. Kann zum Beispiel jemand, der wie Daniel Linehan um die 30 Jahre alt ist, nachvollziehen, dass die Generation seiner Eltern einst auf Rockbands abfuhr und die Welt verbessern wollte? Klar, der Abgleich von Intention und Ergebnis verstört.
Linehan verpasst, mit einem Höchstmaß an Ironie, dem Text von «Anarchy in the UK» der Sex Pistols folgendes Update: «I’m an expert at something / but I know a little bit about everything / I always want new information / I’m proud of my progressive education / I wanna be cool.» Wie ein Rocksänger tritt der hoch gewachsene Thibault Lac vor das Publikum und verkündet: «There will be eight pieces tonight.» Das erste heißt «Music and Dance». Das Ergebnis ist: Sprache, Musik und Körper weigern sich, miteinander zu tanzen. Auch sind unsere drei Rocker nicht länger gewillt, Sprache, Musik und Gesten überhaupt zu trauen. Dass die Musik den Tanz inspiriert, rechtfertigt oder ihn gar verkörpert, lässt sich nur noch verbal rezitieren und körperlich ad absurdum führen, bis hin zur Tautologie: «The ...
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Tanz Juli 2011
Rubrik: kalender, Seite 40
von Thomas Hahn
Zu Beginn wuschelt eine überdimensionale Perücke wie ein großer kopfloser Zottelhund umher. Keine Angst, Rosalba Torres Guerrero wird da auch wieder herausfinden. Mit «Pénombre», ihrem ersten Stück, unternimmt das markante ehemalige Kompaniemitglied bei Anne Teresa De Keersmaeker und Alain Platel bei den «Wiener Festwochen» den Versuch, auf eigenen künstlerischen...
...will neuerdings ein bisschen sein «wie ein Alchemist»: fantasieren, fixe Ideen verfolgen und wie einst die Goldmacher durch gewagte Transmutationen Edles erschaffen. Für ihr neues Stück «Violet» hat sich Meg Stuart deren mysteriöse Gedankenwelt geborgt, um im Tanz den Prozess der Transformation zu erforschen. «Wie vollzieht sich Veränderung, Verwesung, Entropie?...
Bei -0,57°Celsius gefriert das Blut. So flüssig sind wir gar nicht, sagt Ira Demina. Mit dieser kaltblütigen These ist sie eine von vielen Hamburger Choreografinnen, die den Zustand des Denkens über den Körper formulieren. Wer in Hamburg überhaupt wie was tanzt, war immer schon ein Geheimnis, das Angela Guerreiro nun zum sechsten Mal auf der Präsentationsplattform...
