Agent
Leipzig, Alter Markt
Die Touristen speisen unter Sonnenschirmen. Die Welt spricht in allen Sprachen. Das Gemurmel weht wie ein leichtes Tuch durch die Altstadtgassen. Im vierten Stock, obendrüber, befindet sich ein Büro von ausgesuchter Virtualität: ein Computer, ein I-Pad, ein tragbares Telefon, ein Kaffeeautomat. Das reicht. Auch der Name, Culture Partner, weist nicht gerade auf eine spezifische Berufung hin. Dabei handelt es sich um die jüngste Tanzagentur in Deutschland.
Sie vermittelt Kompanien an Gastspielhäuser, vermittelt also das, woran es in den Augen der Kompanien am meisten mangelt: Auftrittsorte.
Dirk Elwert
ist kein Neuling. The.Lab Art & Media, wie er noch in Berlin die Agentur nannte, hat sie alle auf Tournee geschickt: Susanne Linke, Johannes Wieland, Club Guy & Roni. Schluss damit, konstatiert er ohne jeden Groll, «es gibt längst eine neue Generation», und die hat sich «derart weit von ihrem Publikum entfernt», dass sie Gastspielorte mit rund tausend Plätzen nicht füllen kann. Er scheint darüber kein bisschen besorgt. So ist er eben, der zeitgenössische Tanz. Die Alternative heißt nicht Ballett, die Alternative sind fusions: Akrobatischer Tanz trifft Operette, ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Manager, Seite 100
von Arnd Wesemann
Tänzer sein
Angenommen, Sie wären dieser Körper, oder eher: Sie wären die Erfahrung dieses Körpers. Ein Tänzer. Das Licht, in dem Sie jetzt stehen, ist nicht das, was Sie auf der Bühne gewohnt sind, hier im Neonambiente einer Arbeitsagentur. Sie gehen den Flur entlang. Ihr Gang fühlt sich an wie der eines federnden Froschs. Sie laufen wie über eine Rampe, als hätte...
Historisch war das sicher einmalig. Xander Parish, Mitglied im Corps de ballet des Royal Ballet, wird vom künstlerischen Direktor des Mariinski-Balletts, Juri Fatejew, eingeladen, ein ständiges Mitglied in St. Petersburg zu werden. Bis dahin hatte Parish nur ein paar wenig herausfordernde Rollen des Londoner Repertoires getanzt. Fatejew, 2008 Gastlehrer am Royal...
Die Beziehung eines Theaters zur Öffentlichkeit ist nur selten sehr intim. Das Publikumsgespräch nach einer Vorstellung bildet mitunter das Maximum an Nähe zum Zuschauer, die ein Choreograf zulässt. Der Künstler zum Anfassen dient quasi als Bonus-Track dafür, dass bis zum Publikumsgespräch tatsächlich alles getan wurde, damit überhaupt ein Publikum da ist. Denn...
