25 jahre deutsche einheit
Es war diese Grenze, die 1989 zuerst fiel: der Übergang Waltersdorfer Chaussee/Rudower Chaussee im Berliner Süden. In der Nähe des Flughafens Schönefeld, am Schlagbaum nach Westberlin, musste drei Jahre zuvor der Schriftsteller und Filmemacher Ivan Stanev mit einem bulgarischen Pass in der Hand warten. Und sehr lange warten, denn die Behörden in Sofia hatten sein Papier mit einem kleinen Makel versehen. Das Ablaufdatum lag vor dem Ausstellungsdatum. Derlei Gemeinheiten fügte der Sozialismus gern Künstlern zu, die der Westen zu sich eingeladen hatte.
Ivan Stanev zog 1986 nach Ostberlin und wohnte beim international geachteten Regisseur und Autor Heiner Müller. Dieser war mit besseren Pässen ausgestattet und hatte soeben den «Nationalpreis Erster Klasse für Kunst und Kultur» erhalten: in Form eines Koffers voller DDR-Noten. Aus diesem Berg Geld, der auf dem Küchentisch lag, durfte Stanev jederzeit einen Schein ziehen, um den Kühlschrank zu füllen. «Dieses Geld», sagt er heute, «war das Ende des 1917 begonnenen kommunistischen Experiments. Ein Experiment, das darin bestand, Menschen zu Kindern umzuerziehen. Geld war im Osten wie Taschengeld. Für Kinder war kein Eigentum vorgesehen, ...
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Tanz Oktober 2015
Rubrik: ideen: tanz und politik, Seite 64
von Arnd Wesemann
Wer ans Pariser Quartier Saint-Denis denkt, sieht vor dem geistigen Auge vor allem Einwanderer, Menschengetümmel und soziale Brennpunkte. Man vergisst darüber nur allzu leicht, dass in dem nördlichen Vorort auch die weltberühmte Basilika steht, in der die sterblichen Überreste sämtlicher Könige Frankreichs ihre Ruhe gefunden haben – eine Monarchen-Ruhestätte mit...
Ganz zum Schluss sind die Raver los. Die Musik wummert, die Leute lassen ihre Becken rucken wie batteriebetrieben. Die Bewegung kennt man schon. Vor knapp 24 Stunden sahen sie so ähnlich aus, die Kopulationstänze. Aber da war die Atmosphäre noch eine andere, wirkte das Setting zeitlich und emotional entrückter als in diesem entfesselten Finale. Jetzt turnt man...
Eine Musik wie aus Wasser. Und in Wasser taucht denn auch das projizierte Gesicht Odettes ein. Während sich der zitierte Tschaikowsky-Ton allmählich aufhellt, scheint sich die Frau indes völlig aufzulösen, um wenig später auf der Bühne leibhaftig in Erscheinung zu treten – und mit ihr ein Ensemble in einheitlichem Weiß, ganz offensichtlich das Element Wasser...
