Sidi Larbi Cherkaoui: Sutra
Wer die siebzehn Shaolin-Mönche aus Henan in China gesehen hat, vergisst sie nicht so schnell. Da sitzt vorn der 12-jährige Kung-Fu-Novize Dong Dong mit verschränkten Beinen gegenüber einem Mastermind, dem belgischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui. Beide beugen sich über das Modell einer Bühne, die der Turner-Preisträger Antony Gormley entworfen hat: Hell und groß ist der Raum. Darin stehen schlichte, mannshohe Kisten, die mal an Särge, mal an Tische, Betten, Schränke, Regale, Wallanlagen erinnern.
Mit jedem Zug, den das ungleiche Paar auf dem Spielbrett ausführt, mit jedem Neuarrangement der Bauklötzchen beginnt auch die Bühnenarchitektur zu tanzen. Die in den Kisten lauernden Mönche arrangieren die Landschaft ganz nach Vorschrift ständig neu und gehen dabei restlos elegant vor, blitzschnell mit einer Bewegungsökonomie und militärischen Präzision, wie sie nur Kung-Fu-Meister beherrschen.
Daheim veranstalten diese Shaolin-Mönche am Berg Songshan in die Provinz Henan ein gewaltiges «Zen Music Shaolin Grand Ceremony Spektakel». Bei uns in Europa wenden sie sich mit plakatschreienden Shows wie «Die Rückkehr der Shaolin» an die Bruce-Lee-Fantasien ihres Publikums. Deren Kampfkunst, ...
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