Räume malen
Stille. Zwölf Tänzer strömen ins Bild, verteilen sich in einem großflächigen, mit blauem Klebeband markierten Quadrat. Dann: Die Tonspur stürmt los, die Interpreten auch. Es beginnt ein endloses Bewegen, man eilt, dreht sich, immer verankert; gestreckte Arme sind Hebel, Körper sind Massen; mit einem Griff werden auf dem Bauch gestrandete Tänzer auf den Rücken gedreht. Aufstehen, rennen, bewegungstüchtig bleiben.
Auf den ersten Blick ist Gilles Jobins «Double Deux» eine Rückkehr ins Abstrakte.
Das in Annecy uraufgeführte Stück des Westschweizer Choreografen kontrastiert mit seinem letztjährigen «Steak House», wo Plastikeimer und Bücher durch die Luft flogen, Jobin einen Umzug samt Teppich von einer Bühnenecke in die andere inszenierte. «Double Deux» knüpft an frühere Werke an, frönt der Leere, dem Licht, den Kleidern, einer Malerei im Raum. So sieht man anfangs nur organische Masse. Bewegungsmotive erwachen und verschwinden.
Jobins Malen im Raum erinnert an die Gruppe Supports/Surfaces, die Ende der 1960er die Malerei in ihre Elemente zerlegt und sie von Perspektive und Emotion befreit. Bleibt das Spiel zwischen (Kunst-)Träger und Oberfläche, bleiben Regeln, Mittel, Farben und ihre ...
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Selten setzt innovativer Tanz auf Musik als Vorlage oder Inspiration. Philipp Gehmacher, der im Auftrag des Salzburger Mozarteum das 45-minütige Stück «das überkreuzen beyder hände» herausgebracht hat, meint dazu: «Das (Sichentfernen von der Musik) hat damit zu tun, dass die Musik in einem fort nach vorn drängt, in Zukünftiges fließt, während mein Tanz innehält...
Olga Roriz stieß in ihrem Stück «F.I.M.» (für: «Fragmente, Einschreibungen, Erinnerungen») auf lauter grundsätzliche Frage wie: «Was ist Raum?». Dazu knöpfte ein Tänzer Hemd und Hose auf und begoss sich mit Theaterblut. Raum sei, worin die menschliche Existenz gesperrt ist. «Was ist Zeit?» Die im Stuhl sich windende Tänzerin antwortete, dass sie «tired for...
Das Wasser reicht Esteban bis zum Hals, alles um ihn herum ist Welle. Sonnenlicht bricht sich im Wasser, dessen sanfte Strömungen seinen Körper wie in einem Tanz mitreißen. Langsam durchdringt es seinen Körper, beraubt ihn seiner Konturen. Alle Bewegungen verschwimmen. Jedes einzelne Molekül gehorcht einer Musik aus Myriaden von Klängen. Seine Körperteile rasen,...
