Was Laban lehrte
Selbst wer sich nur marginal mit Geschichte und Wissenschaft des Tanzes im 20. Jahrhundert beschäftigt, kennt seinen Namen: Rudolf von Laban. Der 1879 geborene Sohn eines österreichisch-ungarischen Offiziers gilt als der einflussreichste Theoretiker des modernen Tanzes. Der vorgesehenen Karriere im militärischen Dienst der k&k-Monarchie entwand er sich durch ein Kunststudium in Paris. Er wurde Tänzer, Choreograf und Pädagoge – erst auf dem freigeistigen Monte Verità in der Schweiz, dann in München, Hamburg und Berlin.
Nach Schul- und Theatergründungen im beginnenden Nazi-Deutschland, das ihn erst vereinnahmt, schließlich schasst, arbeitet er nach 1937 in England. Wird Laban manchmal gar die Begründung des Deutschen Ausdruckstanzes zugeschrieben, findet sich in seinem kleinteiligen theoretischen Werk doch etwas, wenn man so will, von der Präzision und Genauigkeit des militärischen Denkens wieder. Labans ausgefeiltes System der Choreutik, der Wissenschaft von der Analyse und Synthese körperlicher, seelischer und geistiger Bewegungen, basiert auf Überlegungen zur Raumharmonie und legt den Fokus auf den Bewegungsvorgang. Quantitativ und qualitativ Körperbewegungen zu differenzieren, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zählt man ihr erstes Solo «Asch» von 1980 dazu, durchmisst das choreografische Œuvre von Anne Teresa De Keersmaeker fast drei Jahrzehnte, in denen sie annähernd vierzig Werke von hervorragender Qualität schuf. Ihre ersten Stücke wie «Fase» (1982) oder «Rosas danst Rosas» (1983) sind noch immer im Repertoire ihrer Kompanie. In «Rosas danst Rosas», für das sie in New...
Das Licht geht aus, und das Publikum brüllt und pfeift. Dabei ist nichts auf der Bühne, nur Dunkelheit. Diesem merkwürdigen prologischen Krawall bei Kinder- und Jugendstücken antwortet, ins Schwarz des Saals im Düsseldorfer Tanzhaus NRW hinein, ein noch heftigeres Brüllen und Pfeifen – wie im Stadion oder beim Konzert. Dann beginnt Rockmusik. Antreibender Rhythmus....
«Manchmal werde ich eingeladen, den Studenten zu erzählen, wie das damals war, in den 1980ern», sagt Alain Platel. 1984 gründete er in Gent das Choreografen-Kollektiv Les Ballets C. de la B.: «Seit man mich nur deshalb fragt, weiß ich, dass ich Geschichte bin.» (Seite 54). Seine kaum jüngere Kollegin Anne Teresa De Keersmaeker gründete 1983 die Kompanie Rosas und...
