Kalter Krieg

Kann man wirklich Frieden schaffen mit den Waffen der Kultur? Tim Scholl erinnert an Zeiten, als sich Ost und West auf Spitzenschuhen gegenüberstanden.

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Dass namhafte Ballettkompanien auf internationale Tourneen gehen, ist heute vorrangig ökonomisch motiviert. Freizügigkeit, die notwendige Voraussetzung, wenn wie jüngst das englische Royal Ballet nach Kuba reisen kann, erscheint als eine Selbstverständlichkeit. Unterwegs verströmen die reisenden Künstler zwar die warme Botschaft der Völkerverständigung beim gemeinsamen Kunstgenuss. Politische Sprengkraft hat das aber keine.

Zu Zeiten des Kalten Kriegs, als Kulturaustausch nicht «Damenprogramm» war, sondern im Graubereich zwischen Außen- und Verteidigungsministerium verhandelt wurde, da verkörperte das Ballett das klassische Wettrüsten auf dem Terrain geteilter Ideale. Wie Astronauten und Kosmonauten ums Weltall eiferten, so strebte man auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs nach der vollkommens-ten Schönheit, der größten Eleganz und erdenfernsten Leichtigkeit im Ballett.

Das war die eine, die förmlich verdeckte Seite der Kulturdiplomatie; im offiziellen Sprachgebrauch stand an erster Stelle natürlich der Wunsch nach Erwärmung der Beziehungen durch Charmeoffensive. Wie so oft, hielt man den Tanz, seiner universellen Sprache wegen, für das am besten geeignete Vehikel hierfür. Wahr ...

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Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Geschichte, Seite 94
von Tim Scholl

Vergriffen
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