Jochen Roller
Ein Stück über den Holocaust? Ein Stück über «uns», die dritte Generation, die nicht mehr und noch immer betroffen ist von der Wucht einer unbegreiflichen Vergangenheit? Ein Stück über Bilder, die uns beim Aufwachsen begleiteten, Erzählungen und Albträume, die uns unsere Großeltern mitgaben? Der Berg an Fragen, den der Hamburger Choreograf Jochen Roller an sein jüngstes Projekt stellte, wuchs mit der Recherche am Material ins Unerträgliche.
Fragwürdigkeit war sein ständiger Begleiter: Ist Kunst nach Auschwitz, über Auschwitz möglich? Darf und kann man den Holocaust choreografieren, vertanzen? Gemeinsam mit der israelischen Kollegin und langjährigen Freundin Saar Magal entwickelte der 38-jährige Roller das Stück «Basically I Don’t But Actually I Do». Vor fünfzehn Jahren lernten die beiden sich in der Londoner Choreografenschmiede Laban Center beim Rauchen auf dem Flur kennen; in diesen fünfzehn Jahren beherrschte immer auch der Gedanke des deutsch-israelischen Verhältnisses ihre Freundschaft. Wie während ihrer Ausbildung trainierten sie nun täglich Cunningham-Technik und warfen den rechten Arm in die rechte obere Ecke – den Hitlergruß. Sie nennen es einen «choreografischen Lapsus».
S ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wären sie echt, dann wären sie eine echte Sensation: sekundenkurze Film-Clips des tanzenden Vaslav Nijinsky, circa 1912, entsprechend körnig, düster und verwaschen, für alle frei zugänglich auf YouTube. Unsere Autorin Annette von Wangenheim machte uns auf den Aufruhr im Netz aufmerksam. Sie nahm uns allerdings auch gleich die Hoffnung, dass hier tatsächlich einer...
«Warum steht Tanz in der Nahrungskette ganz unten?» Vor sechs Jahren wurde Deutschlands beste Kompanie, das Ballett Frankfurt, abgewickelt, weil «Politiker nicht verstanden, was Tanz bedeutet», sagt William Forsythe. Bedeutungslosigkeit hat damit zu tun, dass im Tanz Deutungslosigkeit herrscht, um nicht zu sagen: Beliebigkeit bei der Interpretation gerade von...
Als Martha Graham 1991 im Alter von 95 Jahren starb, hinterließ sie nicht nur ein umfangreiches choreografisches Werk, sondern auch eine klassische «Modern Dance»-Technik mit Wiedererkennungswert. Ihren verhakten, scharf akzentuierten, «schweren», das heißt, die Gravitation nicht leugnenden Tanz, hat die Ikone des amerikanischen Tanzes in ihrer 60-jährigen Karriere...
