Der Song der Stille
«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» Das uralte Zitat von Karl Valentin liegt, in deutscher Sprache, auf dem Schreibtisch von Anne Teresa De Keersmaeker. «It’s a present from a friend», lächelt sie. Ganz offensichtlich von jemandem, der ihre Arbeit gut kennt. Denn nur auf wenige Künstler mag Valentins Bonmot so zutreffen wie auf die Gründerin der weltberühmten Rosas-Kompanie.
Was im Ergebnis auf der Bühne so spielerisch leicht, so spontan und frisch wirkt, wenn die Tänzer ihre spiralförmigen Bahnen ziehen, wird bei ihr bis ins letzte Detail und manchmal bis zur Erschöpfung geprobt. Eine halbe Sekunde hier, ein paar Zentimeter dort machen bei ihr schon einen Unterschied. Wenn alles stimmt, fließen Energie und Bewegung der Gruppe wie aus einem Guss. Eine Sekunde Verspätung könnte das Uhrwerk einer Szene durcheinanderbringen. Darum gilt bei ihr auch: «The organization of space makes the organization of time.»
Bei den Proben zu ihrem neuen Stück, «The Song», gibt es kaum Musik. «The Song»? Welcher denn? Die Stille der Bewegungen klingt wie die Suche nach dem Echo einer Zeit. In «The Song» forschen Körper nach den Schwingungen, die die Beatles mit einigen ihrer frechsten und ...
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Vorstellen muss man sie nicht mehr: Fumiyo Ikeda kennt, wer Rosas kennt. Die Japanerin war fast von Anfang an ein starker Aktivposten in Anne Teresa De Keersmaekers Kompanie. 2007 tat sie sich mit Benjamin Verdonck und Alain Platel zu einem eigenen Stück zusammen, in dem sie und Verdonck die furchtbaren Erlebnisse von afrikanischen Kindersoldaten verkörperten....
Merkwürdig: Anne Teresa De Keersmaeker geht ihre Kreation «The Song» mit neuem Personal an. Zur gleichen Zeit gibt auch Wim Vandekeybus seiner Kompanie ein völlig neues Gesicht. Bei ihm, der erklärt, dass er hier mal abstrakter als sonst arbeiten will, spiegelt sich die Sinnkrise von Materialismus und Kapitalismus in einem schwarzen Ritual. Schwarz, aber neu. Und...
So heißt der neue Ballettabend von Kevin O’Day am Nationaltheater Mannheim. Offensichtlich eine Liebeserklärung. Der Titel liest sich wie «many», ist auch eine Abkürzung für Mannheim/New York. Was für Verbindungen will Kevin O’Day ziehen von Mannheim, der sogenannten Quadratestadt, die ihn in den letzten sieben Jahren prägte, zu New York, wo die Musik entstand?...
