Ives Thuwis: «Rennen»

Glasgow

Tanz - Logo

Das Licht geht aus, und das Publikum brüllt und pfeift. Dabei ist nichts auf der Bühne, nur Dunkelheit. Diesem merkwürdigen prologischen Krawall bei Kinder- und Jugendstücken antwortet, ins Schwarz des Saals im Düsseldorfer Tanzhaus NRW hinein, ein noch heftigeres Brüllen und Pfeifen – wie im Stadion oder beim Konzert. Dann beginnt Rockmusik. Antreibender Rhythmus. Auf der Bühne, im Licht jetzt, geht ein Pulk Leute entschieden nach vorn, kehrt um, geht zurück, dann wieder nach vorn. Schnörkellos. Gerade Wege und Blicke. «Wie ein Mann», nennt man so etwas. Es sind auch nur Männer.

Hemden über den Hosen, Turnschuhe; gemeinsam und unbeirrbar fressen sie Kilometer. Manche sind klein, viele groß. Sie sind zwischen neun und dreißig Jahren alt, vier davon Profitänzer, unkenntlich in der Menge. Der Choreograf Ives Thuwis und der Theaterregisseur Gregory Caers haben mit diesem 21-köpfigen Trupp, der am Kulturzentrum Kopergietery in Gent schon eine Weile besteht, ein hinreißendes Stück auf die Bretter gelegt: keine tüftelige Studie über Männlichkeit, kein vertanzter Feuilletonartikel zur Krise des des Geschlechts.

«Rennen» ist vielmehr direkt. Die Männer rennen wirklich (oft), «Rennen» ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2009
Rubrik: Der Kalender, Seite 45
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was Laban lehrte

Selbst wer sich nur marginal mit Geschichte und Wissenschaft des Tanzes im 20. Jahrhundert beschäftigt, kennt seinen Namen: Rudolf von Laban. Der 1879 geborene Sohn eines österreichisch-ungarischen Offiziers gilt als der einflussreichste Theoretiker des modernen Tanzes. Der vorgesehenen Karriere im militärischen Dienst der k&k-Monarchie entwand er sich durch ein...

Die letzte Klassikerin

«Manchmal werde ich eingeladen, den Studenten zu erzählen, wie das damals war, in den 1980ern», sagt Alain Platel. 1984 gründete er in Gent das Choreografen-Kollektiv Les Ballets C. de la B.: «Seit man mich nur deshalb fragt, weiß ich, dass ich Geschichte bin.» (Seite 54). Seine kaum jüngere Kollegin Anne Teresa De Keersmaeker gründete 1983 die Kompanie Rosas und...

Alain Platel

Alain Platel war in seinem Leben immer einen Kopf größer als andere. Was ihn kaum zu einem überragenden Menschen macht. Aber Größe besitzt Wirkung, wenn der belgische Choreograf aufrecht, fast unbewegt am Tisch sein Gegenüber genau betrachtet.

Dort, in der Berliner Akademie der Künste, der Platel seit 2006 angehört, befragt ihn Sophie Fiennes, die Filmemacherin,...