Ives Thuwis: «Rennen»
Das Licht geht aus, und das Publikum brüllt und pfeift. Dabei ist nichts auf der Bühne, nur Dunkelheit. Diesem merkwürdigen prologischen Krawall bei Kinder- und Jugendstücken antwortet, ins Schwarz des Saals im Düsseldorfer Tanzhaus NRW hinein, ein noch heftigeres Brüllen und Pfeifen – wie im Stadion oder beim Konzert. Dann beginnt Rockmusik. Antreibender Rhythmus. Auf der Bühne, im Licht jetzt, geht ein Pulk Leute entschieden nach vorn, kehrt um, geht zurück, dann wieder nach vorn. Schnörkellos. Gerade Wege und Blicke. «Wie ein Mann», nennt man so etwas. Es sind auch nur Männer.
Hemden über den Hosen, Turnschuhe; gemeinsam und unbeirrbar fressen sie Kilometer. Manche sind klein, viele groß. Sie sind zwischen neun und dreißig Jahren alt, vier davon Profitänzer, unkenntlich in der Menge. Der Choreograf Ives Thuwis und der Theaterregisseur Gregory Caers haben mit diesem 21-köpfigen Trupp, der am Kulturzentrum Kopergietery in Gent schon eine Weile besteht, ein hinreißendes Stück auf die Bretter gelegt: keine tüftelige Studie über Männlichkeit, kein vertanzter Feuilletonartikel zur Krise des des Geschlechts.
«Rennen» ist vielmehr direkt. Die Männer rennen wirklich (oft), «Rennen» ist ...
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