The Ice Theatre of New York
David Liu hätte auch andersherum anfangen können. Der Co-Direktor des Ice Theatre of New York und dreifache Eiskunstlauf-Olympionike tanzte Anfang November auf der Eisbahn am Hudson River zwei Soli im neuen Programm seiner Kompanie, und er hat wohl ganz bewusst den feurigen Flamenco «Gitano» zuerst gezeigt. Da konnte der kleine athletische Mann so richtig zeigen, was er draufhat, in einem atemberaubenden Tempo übers Eis fegen, Sprünge von gewaltiger Höhe und artis-tischer Präzision absolvieren und seinem tänzerischen Temperament freien Lauf lassen.
Das zweite Stück, das von Twyla Tharp choreografierte «After All», verlangt hingegen Sammlung und Konzentration.
Für den Betrachter ist der «Gitano» hübsch, ein kurzweiliges Feuerwerk von Pirouetten zu klassischen andalusischen Klängen. Die Nummer bleibt deutlich im Bereich der Revue und ist somit nicht das, was das Ice Theatre eigentlich zu schaffen versucht. Die Philosophie der Truppe wird vielmehr durch ein älteres Stück verkörpert: «After All» von Twyla Tharp, die Befreiung des Eistanzens von jeglichem Effekt und seine Hinführung zu dem, was es unter den Augen von Punktrichtern nicht sein darf. «After All» ist Tanz, Cross-over oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Saskia Hölbling erklärt sich selbst, ihre Kompanie, ihre Begegnungen und ihre Werke von «Chat Gap» (1999) bis «Your Body is the Shoreline» (2005) auf der DVD «DANS.KIAS.DOC». Diese bietet wenig interaktives Spielpotenzial, gibt aber Einblick in das Werk einer radikalen Künstlerin. Ob getanzter Vortrag über Geometrie des Raums oder Geometrie des befreiten...
Über «Schwanensee» kann man 52 Wochen im Jahr reden, auch im Sommer. Der «Nussknacker» dagegen ist ein seasonal ballet. Dazu hat ihn die angelsächsische Nachkriegszeit erzogen. Großbritannien liebt es, weil Weihnachtspantomimen dort Tradition sind. Der «Nussknacker» ist ein patriotischer Immigrant. Seit George Balanchine 1944 die Kampfszenen mit der amerikanischen...
Eis ist ein irres Zeug. Es bringt den Körper aus der Balance. Es beschleunigt den Tänzer auf Tempo 40. Martin Schläpfer, Mainzer Ballettchef und Eiskunstläufer in seiner Jugend, entdeckte, wie sich der Körper «regelrecht in den Raum frisst und schraubt». In Schläpfers Jugend gewann ein Kunstmaler aus Toronto, Toller Cranston, die Weltmeisterschaft in München. Er...
