Der Gaukler

Wer ist Kylián wirklich? Ein Kafka des Tanzes, ein Schwejk, ein Mystiker, der seine Zuschauer gerne neckt? Ein Weiser oder der Narr der Moderne?

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Was immer man einen Künstler fragt: der Grat zwischen produktiver Neugier und Indiskretion ist ein schmaler. Breiter wird er, wenn man wie bei einem Balanchine oder Forsythe sich auf Fragen nach Form und Struktur verlassen kann und darüber die persönlichen Imponderabilien gern vernachlässigt. Sie sind ja ohnehin nur spannend, wenn sie gehörig sublimiert werden. Denn der Grad der Sublimation sagt viel darüber, inwieweit ein Künstler in der Lage ist, das ansonsten rein Privatistische im Artefakt zu verallgemeinern und dem Trivialen zu entrücken.

Dann ist es unerheblich, ob dem chaotischen Schlagabtausch auf der Bühne ein Ehekrach zugrunde lag.

Bei Jirí Kylián wird’s schwieriger. Denn wenn er mal den Tanzteppich aufrollen lässt, um seine Tänzer coram publico untersuchen zu lassen, was darunter ist – will es ein Gag sein, nicht mehr. Der Gag spielt in seinen Stücken ebenso mit wie alte Bestandteile des Handlungsballetts, obgleich Kylián nur eins – Ravels Oper «L’Enfant et les sortilèges» – jemals gemacht hat. Der Zuschauer soll sich identifizieren mit den Akteuren, Stimmungen, Emotionen und der Empathie. Darum geht es. Wo aber Gefühle im Spiel sind, wächst die eigene Scheu, Dinge zu ...

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Tanz Juni 2009
Rubrik: Jirí Kylián, Seite 21
von Eva-Elisabeth Fischer

Vergriffen
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