Der Gaukler

Wer ist Kylián wirklich? Ein Kafka des Tanzes, ein Schwejk, ein Mystiker, der seine Zuschauer gerne neckt? Ein Weiser oder der Narr der Moderne?

Tanz - Logo

Was immer man einen Künstler fragt: der Grat zwischen produktiver Neugier und Indiskretion ist ein schmaler. Breiter wird er, wenn man wie bei einem Balanchine oder Forsythe sich auf Fragen nach Form und Struktur verlassen kann und darüber die persönlichen Imponderabilien gern vernachlässigt. Sie sind ja ohnehin nur spannend, wenn sie gehörig sublimiert werden. Denn der Grad der Sublimation sagt viel darüber, inwieweit ein Künstler in der Lage ist, das ansonsten rein Privatistische im Artefakt zu verallgemeinern und dem Trivialen zu entrücken.

Dann ist es unerheblich, ob dem chaotischen Schlagabtausch auf der Bühne ein Ehekrach zugrunde lag.

Bei Jirí Kylián wird’s schwieriger. Denn wenn er mal den Tanzteppich aufrollen lässt, um seine Tänzer coram publico untersuchen zu lassen, was darunter ist – will es ein Gag sein, nicht mehr. Der Gag spielt in seinen Stücken ebenso mit wie alte Bestandteile des Handlungsballetts, obgleich Kylián nur eins – Ravels Oper «L’Enfant et les sortilèges» – jemals gemacht hat. Der Zuschauer soll sich identifizieren mit den Akteuren, Stimmungen, Emotionen und der Empathie. Darum geht es. Wo aber Gefühle im Spiel sind, wächst die eigene Scheu, Dinge zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2009
Rubrik: Jirí Kylián, Seite 21
von Eva-Elisabeth Fischer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Henrietta Horn: «Schimmer»

Sie ist Anfang vierzig und sie hat vor einigen Monaten ihren Chefposten geschmissen. Neun Jahre lang war Henrietta Horn Leiterin des Folkwang Tanzstudios in Essen. Auf dem Papier hat sie sich den Job zwar mit Pina Bausch geteilt, aber die half dem FTS nur mit respektgebietendem Namen. Henrietta Horn wollte die Verantwortung für andere, jüngere Tänzer nicht mehr. Zu...

Royston Maldooms Philharmoniker-Tanzprojekt

Ungewohnte Töne in einer Schulturnhalle. «Focus! Now! One, two, three, four ...» Bei «acht» schwingen synchron (oder doch fast) fünfzig Kinderköpfe herum. Die Order ist angekommen, die Gesichter sind ernst und konzentriert. Die allermeisten, fast die ganze Zeit. Selten sieht man eine so heterogene Gruppe Youngsters, die so lange mit Feuereifer an drei Minuten...

Interview: Philip Taylor zur Tour von «Blind Date»

Philip Taylor,
in Ihrem neuen Stück arbeiten Sie zum ersten Mal mit einem «Mixed-Ability»-Ensemble – drei Ihrer sechs Tänzer sind blind. Behindert Sie das bei der Arbeit?                    Behindern? Nein. Natürlich muss man sich darauf einstellen. Davon abgesehen ist die Arbeit gerade wegen der ungewohnten Umstände unheimlich kreativ. Ich habe selten so viel...