Der Gaukler
Was immer man einen Künstler fragt: der Grat zwischen produktiver Neugier und Indiskretion ist ein schmaler. Breiter wird er, wenn man wie bei einem Balanchine oder Forsythe sich auf Fragen nach Form und Struktur verlassen kann und darüber die persönlichen Imponderabilien gern vernachlässigt. Sie sind ja ohnehin nur spannend, wenn sie gehörig sublimiert werden. Denn der Grad der Sublimation sagt viel darüber, inwieweit ein Künstler in der Lage ist, das ansonsten rein Privatistische im Artefakt zu verallgemeinern und dem Trivialen zu entrücken.
Dann ist es unerheblich, ob dem chaotischen Schlagabtausch auf der Bühne ein Ehekrach zugrunde lag.
Bei Jirí Kylián wird’s schwieriger. Denn wenn er mal den Tanzteppich aufrollen lässt, um seine Tänzer coram publico untersuchen zu lassen, was darunter ist – will es ein Gag sein, nicht mehr. Der Gag spielt in seinen Stücken ebenso mit wie alte Bestandteile des Handlungsballetts, obgleich Kylián nur eins – Ravels Oper «L’Enfant et les sortilèges» – jemals gemacht hat. Der Zuschauer soll sich identifizieren mit den Akteuren, Stimmungen, Emotionen und der Empathie. Darum geht es. Wo aber Gefühle im Spiel sind, wächst die eigene Scheu, Dinge zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«In diesem Augenblick wurde ich unwiderruflich zu einem anderen. Ich wusste mit geradezu schockierender Plötzlichkeit, dass ich bis zu diesem Moment noch nicht wirklich gelebt hatte oder besser: dass ich keinesfalls auf dieser Erde verweilen wollte, ohne das zu lernen, was dieser Mann gerade getan hatte.» In seinen unvollendeten Memoiren berichtet der Tänzer,...
Ungewohnte Töne in einer Schulturnhalle. «Focus! Now! One, two, three, four ...» Bei «acht» schwingen synchron (oder doch fast) fünfzig Kinderköpfe herum. Die Order ist angekommen, die Gesichter sind ernst und konzentriert. Die allermeisten, fast die ganze Zeit. Selten sieht man eine so heterogene Gruppe Youngsters, die so lange mit Feuereifer an drei Minuten...
In den wohlhabenden Vororten von Johannesburg fährt man gern den silbergrauen Hyundai SUV. Auf der anderen Seite der Stadt, in den Townships, bevorzugt man weiße Minibusse. Der Choreograf Sello Pesa fährt einen schwarzen VW-Käfer. Ein ungewöhnliches Auto für eine südafrikanische Großstadt. Doch der kleine Käfer führt auch ein ungewöhnliches Leben. Abends parkt er...
