Tarifeinigung 2.0 bleibt aus

„Eine Stunde weniger – und kein bisschen schlauer“. Warum die neue 39-Stunden-Woche im NV Bühne für Techniker:innen kein Fortschritt, sondern ein Denkfehler ist – und wie ein modernes System der Arbeitszeit im Theater aussehen könnte. Ein Kommentar

Bühnentechnische Rundschau - Logo

Ein Schritt nach vorn? Eher ein Schritt daneben. Die Nachricht hätte als Signal der Entlastung verstanden werden können: Techniker:innen an deutschen Theatern sollen nach der neuen Einigung im NV Bühne künftig nur noch 39 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten. Doch wer glaubt, dass diese kosmetische Maßnahme die Arbeitswirklichkeit an deutschen Bühnen verbessert, kennt entweder das Theater nicht – oder betreibt bewusste Augenwischerei. Denn: Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Wer im Theater arbeitet – sei es für ein Bühnenbild, in Ton- oder Lichtabteilung, in der Maschinerie oder bei Umbauten –, der arbeitet nicht nach Uhrzeit, sondern auf ein Ziel hin. Und dieses Ziel heißt: Premiere.

Projektarbeit funktioniert nicht nach Stechuhr
In der Realität sind Zeitüberschreitungen keine Ausnahme, sondern strukturelle Normalität. Dispositionen ändern sich. Proben laufen über. Umbauten ziehen sich. Die Technik springt ein, wenn andere Gewerke stocken. Und niemand fragt dann, ob die Stunden noch im Soll liegen – weil es nicht zählt, wann man kommt, sondern ob am Ende alles läuft.

Die eine Stunde „weniger“ ist daher in Wahrheit nichts anderes als eine symbolische Geste, die den Druck eher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 4 2025
Rubrik: Sanierung, Bau, Betrieb, Seite 24
von Wesko Rohde

Weitere Beiträge
Das Zusammenspiel der Maschinen

Rainer Beddig studierte in den 1980er-Jahren Fototechnik, am Vorläufer der Berliner Hochschule für Technik im Wedding, der Fachhochschule für Optik und Fototechnik. Vielleicht wollte er irgendwann auch Fotograf, also der Bildentwerfer und Weltenschöpfer werden. Doch die Technik, die Bildentstehung und später das Weltenbauen, lag ihm in der Wahl eines...

Wenn Beton auf Flachs trifft

Auf den ersten Blick wird man entführt in eine lang entfernte Vergangenheit. Haben hier Mammuts gehaust? Unter der hohen Decke hängen sechs jeweils neun Meter hohe Tapisserien, gewebt aus Flachs und Hanf. Sie haben keine Ecken und Kanten, sondern jede hat ihre eigene Form. In alle Richtungen fransen sie aus, wuchern und scheinen Eigenleben zu führen. An den Wänden...

„Es kommt durchs Tun“

Wenn zwei Kunstrichtungen aufeinandertreffen, entsteht etwas Drittes, eine dritte Dimension, welche die gemeinsame Erzählung bereichert und im besten Fall noch über sie hinaus verweist. So die Hoffnung, wenn Künstler:innen unterschiedlicher Kunstrichtungen sich für ein gemeinsames Projekt zusammentun. Im Rahmen eines Seminars der Klasse für Malerei unter der...