Die Wirklichkeit des Schattens

Die Ausstellung „From Dawn Till Dusk“ zeigte bis Anfang November im Kunstmuseum Bonn anhand von rund 40 internationalen Positionen, wie sich der Schatten zu einem bildgebenden Thema innerhalb der aktuellen Kunst emanzipiert hat

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Der Schatten stand über Jahrhunderte buchstäblich im Schatten der Wahrnehmung. Die Aufmerksamkeit galt dem Licht, das spätestens seit der Aufklärung mit dem Anspruch einer umfassenden Erkenntnis gleichgesetzt wurde. Insofern kann die Entwicklung zumindest unserer westlichen Gesellschaften durchaus als eine Geschichte gelesen werden, in der ein Mehr an Beleuchtung gleichzeitig auch zu einem Mehr an Erleuchtung führt.

Spätestens die elektrifizierte Moderne hat effizient daran gearbeitet, noch das letzte Dunkel zu vertreiben und die Welt in das gleißende Licht industriellen Fortschritts zu rücken. In den Hintergrund trat dabei, dass erst der Schatten dafür sorgt, dass die Welt um uns herum in Erscheinung tritt und an plastischer Kontur gewinnt. Das Faszinierende des Schattens besteht insofern nicht zuletzt darin, dass er laut dem italienischem Wissenschaftshistoriker Roberto Casati (*1961) „in die physikalische Welt gehört, ohne materiell zu sein“, und doch gerade in seiner Zwitterhaftigkeit die physische Wirklichkeit beglaubigt und visuell erfahrbar macht.

Einer der ersten, der sich systematisch mit der Bedeutung des Schattens auseinandersetzt, ist Leonardo da Vinci. In seinem nur ...

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BTR Ausgabe 6 2025
Rubrik: Ausstellungen, Seite 56
von Stephan Berg

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