Wuppertal
Das Theater braucht eine Struktur. Die sieht heute so aus: Entweder man arbeitet in der freien Szene, hangelt sich von Projekt zu Projekt, von Antrag zu Antrag, von Residenz zu Residenz, von Gastspiel zu Gastspiel, immer unsicher, immer unterbezahlt, immer anpassungsbereit. Oder man fügt sich in das System eines Stadttheaters. Auch dort gibt es Freiheiten, Möglichkeiten, Ressourcen, Zuschauer, aber eben auch Zwänge wie den Auftrag der Stadt, der Region, Faktoren wie die Auslastung, die Abonnentenzahl, extrem lange Vorläufe – alles in allem wenig Flexibilität.
Entweder. Oder. Manchmal habe ich mich in die Bildende Kunst gewünscht, gewünscht, dass ich keine Struktur brauche, sondern einfach mein Ding mache, damit am Ende ein Kunstwerk für sich steht, das ich nicht jedes Mal «wiederbeleben» muss, damit es seine Wirkung entfaltet. Aber allein arbeiten möchte ich nicht. Gerade der Akt des «Belebens», das direkt Lebende, der Körper, das ist mein Motor. Klar wäre es verlockend, einfach mein Werk zu verkaufen und zu überlegen, was ich als Nächstes mache. Aber diese Überlegung folgt brutal dem Markt, treibt die Kunst zum Markt, zum Kapital, zum Besitz der Reichen. Kunst als Objekt der ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 98
von Ben J. Riepe
Nimmt man von Nizza kommend die Küstenstraße, wo das zunächst hinter Hügeln verborgene Mittelmeer uns unvermittelt mit seiner Verführungskunst blendet, muss man beim Anblick des wie eine vorgelagerte Festung aus dem Wasser aufragenden, vom Fürstenpalast beherrschten Felsens erst einmal die Augen schließen. Vom Monaco Diaghilews und seiner Ballets russes ist nichts...
Schon früh in seiner Karriere hat der folkloristisch wie klassisch versierte Tänzer und stilsichere Choreograf Emilio Ochando den Entschluss gefasst, sich anstatt auf den populären Flamenco auf die weniger bekannten Tanz-Genres seiner Heimat zu konzentrieren: auf die Escuela Bolera und den klassischen spanischen Tanz. Folglich ist seine persönliche Handschrift,...
Der Begriff «Utopie» ist eng an das Konzept des Idealen geknüpft. Irgendein Ort, irgendein Zustand, irgendein menschliches Abenteuer, so perfekt und harmonisch erdacht, dass es in der Wirklichkeit unmöglich eingelöst werden kann. Und doch sehnt sich der Mensch unweigerlich danach. Die antiken Philosophen Griechenlands nannten das Ananke – «inneres Bedürfnis»,...
