Wuppertal
Das Theater braucht eine Struktur. Die sieht heute so aus: Entweder man arbeitet in der freien Szene, hangelt sich von Projekt zu Projekt, von Antrag zu Antrag, von Residenz zu Residenz, von Gastspiel zu Gastspiel, immer unsicher, immer unterbezahlt, immer anpassungsbereit. Oder man fügt sich in das System eines Stadttheaters. Auch dort gibt es Freiheiten, Möglichkeiten, Ressourcen, Zuschauer, aber eben auch Zwänge wie den Auftrag der Stadt, der Region, Faktoren wie die Auslastung, die Abonnentenzahl, extrem lange Vorläufe – alles in allem wenig Flexibilität.
Entweder. Oder. Manchmal habe ich mich in die Bildende Kunst gewünscht, gewünscht, dass ich keine Struktur brauche, sondern einfach mein Ding mache, damit am Ende ein Kunstwerk für sich steht, das ich nicht jedes Mal «wiederbeleben» muss, damit es seine Wirkung entfaltet. Aber allein arbeiten möchte ich nicht. Gerade der Akt des «Belebens», das direkt Lebende, der Körper, das ist mein Motor. Klar wäre es verlockend, einfach mein Werk zu verkaufen und zu überlegen, was ich als Nächstes mache. Aber diese Überlegung folgt brutal dem Markt, treibt die Kunst zum Markt, zum Kapital, zum Besitz der Reichen. Kunst als Objekt der ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 98
von Ben J. Riepe
Berlin, 6. Juli 2017
Lieber Tanz,
in den letzten Jahren haben wir dir so viele Briefe geschrieben, und noch immer antwortest du nicht. Wir warten darauf wohlwissend, dass Schreiben nicht so dein Ding ist. In der Zwischenzeit werden wir die Menschen weiterhin bitten, dich anzuschreiben, um dir zu sagen, was ihnen wichtig ist in Bezug auf dich, wie sie mit dir leben...
Für den Residenzaufenthalt im Goethe-Institut Kyoto ist es Bedingung, dass man sich mit einem auf Japan bezogenen Projekt bewirbt. Ich schlug vor, die traditionelle japanische Teezeremonie näher zu betrachten, die mir erstmals vor Jahren im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem begegnet war und deren choreografische und skulpturale Aspekte mich sehr fasziniert...
«Уважающим себя хореографам следовало бы учитывать, что каждое па – это шаг в будущее. Chorégraphes qui se respectent devraient prendre en considération que chaque pas est un pas dans l’avenir.» Das ist ein Satz, den Serge Diaghilew, laut Boris Kochno, am 17. August 1929, also zwei Tage vor seinem Tod, in Venedig Kochno anvertraut haben soll & den ich, Giselle...
