Foto: Félix Vázquez

Eduardo Guerrero

30 Tanzkünstler mit den besten Aussichten

Tanz - Logo

Der junge Bailaor aus der Hafenstadt Cádiz straft alle jene Flamenco-Legenden Lügen, die besagen, dass man den Flamenco im Blut haben muss, oder noch besser in den Genen. In seiner Familie gibt es weit und breit kein einschlägiges Erbe. In seiner Familie interessiert man sich für Sport. Sein Bruder spielt in einem bekannten Fußballclub, und er selbst kam nur durch Zufall zum Tanz.

In den letzten Jahren tanzte er in der Kompanie von Rocío Molina und erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie den «Desplante» beim Festival in La Unión.

Als Model eröffnete er die Fashion Week in Madrid, sobald er erscheint, werden die Fotoapparate gezückt. Er ist ein Paradiesvogel mit schillerndem Gefieder – extravagant, aber nicht exzentrisch. Seine Stücke haben einen bestechenden Rhythmus, als Tänzer pendelt er zwischen Orkan und Stille und versteht es, die Spannung zu halten. Mit seinem Solo «Guerrero» begeistert er auf den Bühnen der Welt, bei seinen Auftritten versetzt er das Publikum in Euphorie und wird dafür mit nicht enden wollenden Ovationen überschüttet. Beim diesjährigen «Festival de Jerez» wurde er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Eduardo Guerrero ist ein moderner Tänzer, der jedoch nicht den Verlockungen der Avantgarde verfällt. Er setzt die Traditionen fort, ohne in ihnen zu erstarren, er benützt und verwandelt sie in zeitgenössische Tanzkunstwerke. Seine schwindelerregenden und komplexen Drehungen, seine punktgenauen Zapateados und seine raumgreifenden Choreografien sind von großer Schönheit, ohne kitschig zu sein. Vor allem aber ist er selbst: ein großartiger Tänzer.



Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 176
von Susanne Zellinger

Weitere Beiträge
Künftige Körper

Der Körper scheint als Medium zunächst ganz ungeeignet für Utopien. Während die Literatur eine utopische Zukunft projizieren kann, fehlt dem Körper ein solcher Zukunfts-Modus. Auch ist die im Utopiebegriff implizite Unmöglichkeit zumindest mit einem lebendigen Körper nur schwer vereinbar. Wir können Utopien in Geschichten und Traktaten erdenken. Wenn sie den Körper betreffen, können wir...

Jessica Fyfe

Sie hätte Milena Jesenská verkörpern sollen, «ein lebendiges Feuer, wie ich es nie gesehen habe», so Franz Kafka einmal in einem Brief an Max Brod. Bekanntlich ist es zu dem «Kafka»-Ballett von Marco Goecke in Stuttgart nicht gekommen, und das ist schon deshalb bedauerlich, weil Jessica Fyfe so ganz und gar der Vorstellung Kafkas entspricht: Sie ist «äußerst zart, mutig, klug, und alles...

Nach Nippon

Für den Residenzaufenthalt im Goethe-Institut Kyoto ist es Bedingung, dass man sich mit einem auf Japan bezogenen Projekt bewirbt. Ich schlug vor, die traditionelle japanische Teezeremonie näher zu betrachten, die mir erstmals vor Jahren im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem begegnet war und deren choreografische und skulpturale Aspekte mich sehr fasziniert hatten – Disziplinen, in...