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Daniela Kurz: Rauschraum
Der Tanz scheint vielerorts mitten in der Gesellschaft angekommen zu sein. Vielfach aus den Theaterräumen ausgezogen, ist er in den öffentlichen Raum eingezogen und sucht dort sein Publikum. Dabei hat er neue Inhalte für sich erobert. Getrieben vom Event-Zeitgeist der Informationsgesellschaft, verliert er sich inzwischen zunehmend in einer immer raffinierter ausgeklügelten Virtuosität und wird so Teil des Spiels, das er eigentlich infrage stellen wollte.
Aufwühlende, provokante, drastisch schockierende Bilder sollten in der Tanz- und Theaterarbeit des 20. Jahrhunderts Konflikte sichtbar machen und gesellschaftliche Debatten anregen. Doch die Allmacht der digitalen Bilderflut des 21. Jahrhunderts schwächt diesen Diskurs, die Theaterbilder erscheinen wie Abzieh-Tattoos, die nicht mehr unter die Haut gehen. Kann ein Publikum, das seine Existenz in den virtuellen Raum kopiert und dort die Gewalt der globalen Bilderströme «teilt», sich noch auf die Bilder des Theaters einlassen und aus ihnen schöpfen? Werden dem Tanz durch diese digitalen Fluten nicht gerade die Bilder vorweggenommen, die er so dringend selbst braucht, um am Puls der Zeit die ihm eigenen Akzente zu setzen und seine ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 110
von Daniela Kurz
Visionen sind toll. Doch irgendwann müssen sie konkrete Form annehmen. John Cranko, Direktor des Stuttgarter Balletts, wusste das wie kein anderer und verkämpfte sich zäh für eine eigene Ballettschule: Nur mit einer eigenen Ausbildungsstätte ließ sich der Traum von einer unverwechselbaren Kompanie realisieren. So wurde die 1971 von ihm gegründete Schule in...
Mir persönlich ist es als Künstler wichtig, bei jedem schöpferischen Prozess möglichst viele schwierige Fragen aufzuwerfen, die meine Kreativität herausfordern. Das ist unerlässlich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Genauso unerlässlich ist es aber auch für die Fortentwicklung der Kunst als solche. Tradition und Geschichte sind für mich beides...
Wir treffen uns in Kiel, wo Lucinda Childs zuletzt Jean-Marie Leclairs tragédie-lyrique «Skylla und Glaukos» inszeniert hat. Opernregie führt sie inzwischen regelmäßig, aber weltberühmt wurde sie als Choreografin, als Expertin für schnörkellos reinen Tanz. Über den Beginn ihrer Karriere spricht sie gern, aber selten. Weil dieses Kapitel im Schatten späterer Erfolge...
