Foto: Julieta Cervantes
Brandon Washington
Brandon Washington stimmte in Faye Driscolls «Thank You for Coming: Play» die Klage-Arie «Where’s my Mom?» an. Das war im vergangenen Herbst an der Brooklyn Academy of Music. Unbändig um sich schlagend, aus dem Gleichgewicht taumelnd, gegen die Wand prallend, brachte er sein Publikum zugleich zum Lachen und zum Weinen. In der «Thank You for Coming»-Reihe müssen sich die fünf Tänzer scheinbar willkürlich in immer neue, abenteuerliche Kostüme werfen. Brandon Washington schien sich in jeder neuen Aufmachung noch pudelwohler zu fühlen als in der vorherigen.
Faye Driscoll verlangt von ihren Tänzern Bewegungen, die zugleich von starkem Freiheitssinn und strikter Akribie gekennzeichnet sind. In einer Passage unternehmen sie die komplizierte Dekonstruktion einer Sprech- und Gebärden-Sequenz, die – bisweilen in Hochgeschwindigkeit – wie ein Puzzle auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wird. Gelegenheit für Brandon Washington, den inneren Wilden zu entfesseln und sich wie ein Wahnsinniger ins Getümmel zu stürzen.
Der junge Tänzer wuchs in Chesapeake, Virginia, auf und studierte Tanz an der University of Florida in Gainesville. 2012 kam er nach New York, ein Jahr später begann er die Zusammenarbeit mit Faye Driscoll. Außerdem arbeitete er mit Neta Pulvermacher, Lauren Bakst, Daria Faïn, Germaul Barnes, Mark Dendy und Dylan Crossman. Besonders aber in den Stücken Driscolls kommen sein Charme und seine Wildheit zu optimaler Geltung und münden in packende Performances eines Künstlers von beeindruckender Bühnenpräsenz.
Aus dem Englischen von Marc Staudacher
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 184
von Wendy Perron
Berlin, 6. Juli 2017
Lieber Tanz,
in den letzten Jahren haben wir dir so viele Briefe geschrieben, und noch immer antwortest du nicht. Wir warten darauf wohlwissend, dass Schreiben nicht so dein Ding ist. In der Zwischenzeit werden wir die Menschen weiterhin bitten, dich anzuschreiben, um dir zu sagen, was ihnen wichtig ist in Bezug auf dich, wie sie mit dir leben oder ohne dich. Über 500...
Das Kollektiv ist tot. Es lebe das Kollektiv! Fünf Künstler und Künstlerinnen aus Island treten den Beweis an. Im Rahmen des Festivals «Togetherapart» zum 10-jährigen Jubiläum des Zentrums für Choreographie K3 in Hamburg waren sie eingeladen, ein Stück zu kreieren. «Moving Mountains in Three Essays» betitelten Sigurður Arent, Kristinn Guðmundsson, Katrín Gunnarsdóttir, Vedis...
Schon früh in seiner Karriere hat der folkloristisch wie klassisch versierte Tänzer und stilsichere Choreograf Emilio Ochando den Entschluss gefasst, sich anstatt auf den populären Flamenco auf die weniger bekannten Tanz-Genres seiner Heimat zu konzentrieren: auf die Escuela Bolera und den klassischen spanischen Tanz. Folglich ist seine persönliche Handschrift, sind seine Choreografien...
