Foto: Roman Novitzky

Adam Russell-Jones

30 Tanzkünstler mit den besten Aussichten

Tanz - Logo

«Ich bin zu sarkastisch, um ein Huhn zu tanzen und das wirklich zu genießen», sagt er lachend. Was macht ein Brite, der mit einem Lieblingsballett der Londoner, Frederick Ashtons «La Fille mal gardée», so gar nichts anfangen kann? Er sucht sich anderswo Arbeit. Schon mit 15 Jahren zog sich Adam Russell-Jones Videos vom Nederlands Dans Theater (NDT) rein und war nach seinem Abschluss an der Royal Ballet School fest entschlossen, auf den Kontinent zu wechseln.

Die klassische Technik, die er so lange studiert hatte (und höchst virtuos beherrscht), die wollte er natürlich weiter pflegen.

Aber eben unbedingt auch den viel zu engen Horizont erweitern, der bei seinen Landsleuten gepflegt wird: «Was dort an modernem Ballett gezeigt wird, ist gar nicht so modern, es fordert nie die Grenzen heraus.» 2014 kam er zum Stuttgarter Ballett, ein agiler, geschmeidiger Tänzer mit Sinn für Groteske und scharfem Witz, mit dem Instinkt und der Intelligenz für moderne Werke. Er fand genau das, was er suchte: «Ich will mit Choreografen arbeiten, mit vielen Choreografen.» Jetzt zieht er weiter zum NDT 2, schweren Herzens einerseits, weil ihm manche modernen Klassiker wie William Forsythe und sogar John Cranko doch fehlen werden. Aber andererseits sehr glücklich, zu seinem ebenfalls «exilierten» Landsmann Paul Lightfoot in Den Haag zu wechseln: «Es ist ein so wunderbarer Ort, die Atmosphäre, die Tänzer, die Arbeitsethik. Ich war völlig hin und weg bei der Audition. Hier kann ich so viel lernen.» Während seiner drei Jahre in Stuttgart war er in sämtlichen Werken von Marco Goecke, er liebt die «superfrenetischen» Bewegungen: «Das fordert einen geistig und körperlich – es gibt eine Menge fürs Gehirn und für den Körper zu verarbeiten, genau das mag ich.» Sidi Larbi Cherkaouis «Faun» war dann eine weitere Etappe zur Entscheidung, ganz in die Moderne zu wechseln: «Danach wusste ich, dass ich davon mehr haben muss: Stücke, wo ich so ich selbst sein kann! Ich mag Pirouetten und Double Tours – aber ich mag die Freiheit mehr.»



Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 182
von Angela Reinhardt

Weitere Beiträge
Jeroen Verbruggen: Immer immersiver

Mir persönlich ist es als Künstler wichtig, bei jedem schöpferischen Prozess möglichst viele schwierige Fragen aufzuwerfen, die meine Kreativität herausfordern. Das ist unerlässlich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Genauso unerlässlich ist es aber auch für die Fortentwicklung der Kunst als solche. Tradition und Geschichte sind für mich beides inspirierende Themen, mit...

Jessica Fyfe

Sie hätte Milena Jesenská verkörpern sollen, «ein lebendiges Feuer, wie ich es nie gesehen habe», so Franz Kafka einmal in einem Brief an Max Brod. Bekanntlich ist es zu dem «Kafka»-Ballett von Marco Goecke in Stuttgart nicht gekommen, und das ist schon deshalb bedauerlich, weil Jessica Fyfe so ganz und gar der Vorstellung Kafkas entspricht: Sie ist «äußerst zart, mutig, klug, und alles...

Euripides Laskaridis

Dass man für bizarre Komik ebenso viele komplexe Fähigkeiten benötigt wie für dramatische Rollen, hat der Athener Euripides Laskaridis unlängst in Lyon demonstriert. Dort hat er eine Eigenkreation, das ­Solo «Relic», getanzt, eine Arbeit, die sich stilistisch jeder eindeutigen Zuordnung, Machart oder Mode entzieht und das Publikum gleich einer turbulenten Achterbahnfahrt in Atem hielt....