Warm anziehen, Jungs!
Ein Bolzplatz, irgendwo in Brüssel, Anfang der 1980er-Jahre. Eine Jungs-Combo drischt den Ball ohne Rücksicht auf Verluste und obwohl ein Steppke mit von der Partie ist, der kaum mithalten kann. Er rackert und ackert, was das Zeug hält. Nützt alles nichts. Am Ende des Nachmittags mosern die Kicker den größeren Bruder an – kann der Winzling da nicht künftig daheimbleiben? «Von wem redet ihr? Ihr meint wohl meine kleine Schwester!», entgegnet der Zehnjährige.
Woraufhin sich die übrigen Kerle auf das Mädchen stürzen, ihm an die Unterhose wollen, die es mit Socken auf Gemächtmaß gepolstert hat. Der Bruder wirft sich schützend vor die Schwester, bringt seine Kumpels zur Vernunft, trotzdem hat er die Schnauze gestrichen voll. Schnurstracks läuft er heim und berichtet der Mutter, was geschehen ist. Die resolute Frau, Krankenschwester von Beruf, fasst umgehend einen Beschluss: «Ich habe einen Sohn, ich habe eine Tochter – und die geht ab sofort ins Ballett. Damit sie ein richtiges Mädchen wird.» Entsetzliche Strafe für eine Achtjährige, die noch nie eine Vorstellung gesehen, geschweige denn ein Tutu getragen hat. Ja, die eigentlich nur eins will: ein Junge sein. «Weil Jungs jede Menge ...
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Tanz Februar 2020
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Dorion Weickmann
Prix de Lausanne
Mitfiebern gilt ja nicht nur bei Olympia, sondern auch beim «Prix de Lausanne», dem prestige- und traditionsreichen Ballettwettbewerb, der Anfang Februar in diesem Jahr in Montreux im Auditorium Stravinski stattfindet. Die 15- bis 18-jährigen Kandidaten (m/w/d) aus aller Welt konkurrieren um Preise und Belohnungen in Form von Stipendien an...
Der ewige Sohn im Schatten Kazuo Ohnos ist tot. Er erlag einer Blutvergiftung. Der 81-jährige Sachwalter des Archivs zum japanischen Butoh, das sich zwischen dem Familienpiano und einem Gaskocher befand, auf dem das Teewasser für Tänzer und Besucher auf die richtige Temperatur gebracht wurde, er hätte eigentlich der Berühmtere aus der berühmten Ohno-Familie werden...
Wenn William Moore nach der Tram rennen muss, lacht ihn seine Freundin manchmal aus. Das sehe so albern aus. «Aber ich versuche eben, die Füße möglichst viel einzusetzen, um meine Knie zu schonen», erklärt der Brite. Das Knie – das ist die Achilles-Ferse des beliebten Ersten Solisten beim Ballett Zürich. Genauer: die Patellasehnen. Vor fünf Jahren musste er sie an...
