vom pferd erzählt

André Heller erhielt von seiner Großmutter den Holzschnitt eines Einhorns, um ihm die Angst vor dem Einschlafen zu nehmen. Darin liegt der Schlüssel zu seiner Show «Magnifico»: die Neugestaltung seiner unglücklichen Kindheit

Tanz - Logo

Alles tanzt. Alles fliegt. Alles stapelt sich. Die Pyramide bebrillter Matrosenanzug-Trägerinnen sieht aus wie aus einem Manga gestanzt. Die fliegenden Hüte maskierter Männer im Grätschschritt erinnern an die düsteren Gestalten des Film noir. Streetdancer purzeln durch die Manege. Seilakrobaten zeichnen eine chorus line an den Zelthimmel. Flamenco-Tänzer entfachen stampfend ein Maschinengewehr-Stakkato. Und zwei Schimmel tanzen piaffierend einen Pas de deux dazu.

Das Heller-Bestiarium aus einem imaginären Garten Eden kreucht über die Bühne: seltsamste Reptilien auf zwei Beinen, ein Walross, das auch noch «I’m the Walrus» singt, eine jodelnde Spinne im Seidencape als Königin der Nacht. Tintenfische wie Spitzen-Sonnenschirme, Seepferdchen, eine fleischfressende Pflanze, die eine blonde Schönheit verschlingt. Als Schattenspiele dahinter: Riesen und Zwerge, Gullivers Reisen in Schwarzweiß mit den Tänzern des Pilobolus Dance Theatre. Und immer wieder Pferde, Pferde, Pferde. Die Farben, die verwirklichten Fantastereien, sie machen glücklich, weshalb André Hellers Zeltshow «Magnifico» für immerhin 2500 Zuschauer pro Vorstellung bereits nach der Premiere am 8. Februar in München um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2011
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Eva-Elisabeth Fischer

Weitere Beiträge
oldenburg: hofesh shechter...

...ist der Mann der Stunde, Zierde jedes Festivals, der Nenner, auf den sich Macher, Publikum und selbst Kritiker einigen. Fürs Scottish Dance Theatre choreografierte er einen Schnelldurchlauf durch die Evolutionstheorie. «Dog» heißt das Werk, das auf allen vieren beginnt und sich durch sämtliche Arten wühlt, die sich durch Bewegung unterscheiden. Im Darwin’schen...

genf: mandafounis, mazliah, zarhy «cover up»

Die drei Scherzkekse kommen unscheinbar daher: Sie tragen helle Stoffhose und T-Shirt, die wirken gräulich im fahlen Licht. Sie klettern behende aufeinander, bilden einen Körperturm wie die Bremer Stadtmusikanten, der einen Lidschlag später umfällt. Sie schreiten und tippeln über den weichen Flokatiteppich, der die Geräusche ihrer Schritte schluckt. Erst als...

frau, körper, stuhl

Ein Kreis wird gezogen, weiße Kreide auf schwarzem Tanzteppichgrund. Stühle werden arrangiert. «Stand der nicht hier, gehört der nicht dorthin?» Geschäftiges Stimmengewirr auf Flämisch, Französisch, Englisch. Schließlich geben die aufgeklebten Zettel auf der Rückseite der Lehne Auskunft über die jeweils richtige Position des Möbelstücks. Wiederholtes Glattstreifen...