frau, körper, stuhl

Anne Teresa De Keersmaeker rekonstruiert ihr frühes Stück «Elena’s Aria». Ein Besuch bei den Proben in Brüssel.

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Ein Kreis wird gezogen, weiße Kreide auf schwarzem Tanzteppichgrund. Stühle werden arrangiert. «Stand der nicht hier, gehört der nicht dorthin?» Geschäftiges Stimmengewirr auf Flämisch, Französisch, Englisch. Schließlich geben die aufgeklebten Zettel auf der Rückseite der Lehne Auskunft über die jeweils richtige Position des Möbelstücks. Wiederholtes Glattstreifen des Kleids, das zwei der fünf Tänzerinnen lässig über Leggings und unterm T-Shirt tragen. Probenkleider, die im Schnitt den späteren Bühnenkostümen gleichen, zur Gewöhnung an die beengte Beinfreiheit.

Aufgereiht warten die hochhackigen Pumps auf ihren Einsatz. Sobald sich die Tänzerinnen, jede am Boden sitzend neben ihrem Stuhl, zurechtgeruckelt haben, kann die Probe in den Brüsseler Rosas-Studios beginnen. Ruhe kehrt ein. Den Anwesenden den Rücken zugewandt, den Kopf gesenkt, die Arme hängend, verkörpert die Anfangsposition die Grundstimmung der Choreografie «Elena’s Aria». Nur wenige kennen das Stück aus Anne Teresa De Keersmaekers Frühwerk, das, uraufgeführt im Oktober 1984 in Brüssel, gut drei Jahre später aus dem Repertoire wieder verschwunden war. Selbst im eigenen Haus hat es kaum einer der heutigen Mitarbeiter ...

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Tanz April 2011
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Irmela Kästner

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