gelsenkirchen: bernd schindowski «gedanken eines zweiflers»
«Es windet sich und kriecht wie eine Natter, und es zwingt die anderen, dass auch sie kriechen. Das Unglück ist unbarmherzig, unersättlich; sein Durst unlöschbar», schreibt Gustave Flaubert 1838 im halbzarten Alter von 17 Jahren und windet seine stürmenden Gedanken ums menschliche Schicksal hienieden. Die Freiheit, erobern zu wollen: alles eitel. Vergeblich. «Merde» steht am Schluss.
Die Schauspielerin Jule Gartzke, im bäuerlichen Blümchenkleid, spricht den übersetzten Text auf der Bühne, wandernd, und wiederholt das blöde deutsche Ende «Die Menschen können mich …» noch einmal am Ende des zweiteiligen Abends. Dabei stülpt sie effektvoll eine leere Handtasche auf (kein Lippenstift, keine Schlüssel, kein Geld).
Bernd Schindowski, seit 1978 Ballettdirektor in Gelsenkirchen und auf der Zielgeraden seiner letzten Spielzeit dort, macht in «Gedanken eines Zweiflers» den gleichnamigen Flaubert-Text zur Vorgruppe der «Symphonie Nr. 14» des Endsechzigers Dmitri Schostakowitsch. Die 14 Tänzer in frühlingshaften Alltagsklamotten, barfuß, bebildern zunächst die Tirade des Jünglings, der Gleichnisse einflicht von klimmenden und fallenden Wanderern, trügerischen Dirnen, ausgebuddelten Leichen. ...
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Tanz April 2011
Rubrik: kalender, Seite 38
von Melanie Suchy
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