Systemfrage

Ein Ensemble wird fast vollzählig aus dem Betrieb gekickt, per Nicht-Verlängerung der Verträge und der Ansage: Intendantenwechsel. Ist das zeitgemäß? Ein Einspruch.

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Am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin wird Xenia Wiest ab Sommer die Tanzsparte leiten. Sie setzt auf Rundumerneuerung. Fast das gesamte Ensemble muss gehen. Das ist so üblich wie umstritten. Wir veröffentlichen ein Statement der Tänzer, eine juristische Einschätzung und eine Stellungnahme von Xenia Wiest: drei verschiedene Blickwinkel in Sachen «Nicht-Verlängerung»

Das Manifest der Schweriner Tänzer*innen (Seite 50) wirft die Systemfrage auf. Das Ensemble, das beinahe vollzählig aufgrund eines Intendantenwechsels «nicht verlängert» wurde, greift die derzeitige Nicht-Verlängerungs-Praxis an und stellt damit eine jahrzehntelange Usance infrage. Rechtlicher Hintergrund der Nicht-Verlängerung ist die im Tarifvertrag NV Bühne geregelte Möglichkeit, Künstler*innen über mindestens 15 Jahre hinweg immer wieder nur befristet einzustellen.

Das Theater kann jährlich entscheiden, ob die Verträge der Künstler*innen nicht noch einmal automatisch um eine Spielzeit verlängert werden und nach einem obligatorischen Gespräch diese Nicht-Verlängerung aussprechen. Bei Intendantenwechsel bedarf es nicht einmal einer Begründung.

Es liegt auf der Hand, dass diese Praxis Abhängigkeiten schafft und Machtmissbrauch begünstigt. Nicht-Verlängerungen spielen eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung rigider Top-Down-Strukturen an deutschen Bühnen. Künstler*innen sind mit dem alljährlich möglichen Verlust ihrer Anstellung bedroht. Wer wird unter solchen Umständen schon den Mund aufmachen, Kritik äußern? Nicht von ungefähr hat kürzlich Chloé Lopes Gomes den ...

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Tanz März 2021
Rubrik: Praxis, Seite 52
von Friedrich Pohl

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