Stuttgart: Katarzyna Kozielska, Edward Clug, Nanine Linning «Aufbruch!»
Ein Tanz-Tableau wie von Oskar Schlemmer. In «Patterns in ¾» verortet Edward Clug seine Tänzer so im Raum, als handelte es sich um eine erste Bühnenprobe des «Triadischen Balletts», das 1922 genau an dieser Stelle uraufgeführt worden ist. Noch kommt keins der berühmten Kostüme zum Einsatz, die gegenüber vom Theater, in der Staatsgalerie Stuttgart, aufbewahrt werden.
Als wär’s erst ein Gedankenspiel, entwickelt der Ballettdirektor des Slowenischen Nationaltheaters Maribor sozusagen aus dem Stand heraus ein Thema, das der Bauhaus-Meister erst Jahre später in seinem Artikel «Mensch und Kunstfigur» grundlegend behandelt. Noch ähneln Hyo-Jung Kang, Ami Morita, Vittoria Girelli und die anderen Gliederpuppen: schwarze Hosen, fleischfarbene Oberteile, die ein blutiger Strich ziert. Doch Schlemmers Bewegungsimpulse haben die Akteure so verinnerlicht, dass sie damit nach Belieben schalten und walten können. Eine kleine Irritation hier, flatterhafte Finger dort, ein komischer Kontrapunkt zwischendurch – und das Mechanische, Minimalistische der Musik wirkt auf einmal wieder menschlich. Und ohne dass man’s wirklich merkt, sind die «Patterns» doch pointiert genug, um Langeweile zu verhindern.
« ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2019
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz
Bloß kein Handlungsballett. Luca Veggetti choreografiert zwar zu Arnold Schönbergs sinfonischer Dichtung «Pelleas und Melisande», die auf Maurice Maeterlincks symbolistischem Schauspiel basiert. Selbst den Titel «Am Ende unser Schatten» entnimmt er der dramatischen Vorlage, aber die handlungstragende Dreiecksbeziehung ist in die Abstraktion verschoben....
Am Anfang herrscht Ordnung auf dem Set: neun gleichmäßig im Raum verteilte weiße Plastik-Gartenstühle, ein vorerst bedeckter Transportroller, weißer PVC-Tanzboden, weiße Abdeckplane ... Dann wird das Licht heruntergedimmt, und schwere Schritte werden hörbar, noch bevor Dana Michel die Bühne betritt. «Cutlass Spring» heißt das neue Solo der in Montreal lebenden...
Jahrbuch Fetisch
Ob Stil, Körper oder Stars – im Tanz wird vieles zum «Fetisch», weil ex-trem mit Bedeutung, Beziehung, Befindlichkeit aufgeladen. Wie das funktioniert, nimmt unser Jahrbuch 2019 ebenso in den Blick wie das Best-of der Saison
Benjamin Millepied
Als Chef des Pariser Opernballetts warf der Choreograf blitzschnell das Handtuch. Dafür leitet er nun...
