Marina Otero «Kill Me»
Otero ist punk. Sie ist Kult. Und der Begriff der «Tanzautorin» passt auf sie wie auf niemanden sonst. Otero bringt ihre eigenen Texte zum Tanzen. Texte, die das surreale, dramatische, emotional chaotische und oft obsessive Gefühls-, Berufs- und Liebesleben der Argentinierin verhandeln und gleichzeitig neu erfinden. So verweist sie Trennlinien zwischen biografischer Authentizität und Fantasie in den Bereich der Fiktion.
In «Fuck me», «Love me» und schließlich «Kill me», uraufgeführt bei «Montpellier Danse» im Sommer, schlägt sie zu wie eine verbale Boxerin, bearbeitet ihr Double, das niemand anderes ist als sie selbst. «Ich spürte, dass die erfundene Marina mich vor der realen würde retten können», erklärt sie. Und liefert ungeschminkte Wahrheit, psychisch und physisch: «Ich weiß, dass ich Sie schockieren werde, aber ich spreche es lieber aus, als zu schweigen!» Was nicht automatisch bedeutet, dass Voyeure hier auf ihre Kosten kämen. Da zählt Otero die Symptome eines (ihres?) Borderline-Syndroms auf und erklärt: «Es existiert kein Pakt der Wahrheit mit der Biografie, da sich zu erinnern ohnehin bedeutet, dass man retouchiert.»
Ihre Trilogie stellt sie unter den Titel «Recordar ...
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Tanz Oktober 2024
Rubrik: Kalender, Seite 26
von Thomas Hahn
Wenn eine Arbeit von Crystal Pite Bestandteil eines gemischten Programms ist, kann es durchaus sein, dass sie alle übrigen Stücke in den Schatten stellt. Fraglos ist «Angels’ Atlas» – inzwischen auch beim Staatsballett Berlin zu sehen und im Oktober am Londoner Sadler’s Wells Teil der Triple Bill des gastierenden National Ballet of Canada (NBC) – eine jener...
Irgendwie gehört der Mann hierher, nach Paris. In Israel geboren, lebt er zwar seit Langem in Großbritannien. Trotzdem kehrt er regelmäßig zurück in die französische Kapitale, um mitten in ihrer bauhistorisch beschwingten Kulisse Stücke zur Uraufführung zu bringen, die der Gegenwart empfindlich auf den Zahn fühlen. Derart mitleidlos, dass es beim Zusehen schmerzt....
Amsterdam
«GENERATION DANCE»
Er beschleunigt und kreist mit großen Sprüngen: Der erste Solist Jacopo Tissi traut sich, in der schweren männlichen Hauptrolle von «Four Schumann Pieces» (1975) mit Bravour, Tempo und Gelassenheit zu spielen. Meisterchoreograf Hans van Manen gönnt ihm das wechselhafte Zusammenspiel mit fünf Paaren; kein Bündnis hält. Dabei werden...
