Marina Otero «Kill Me»

Berlin on tour

Tanz - Logo

Otero ist punk. Sie ist Kult. Und der Begriff der «Tanzautorin» passt auf sie wie auf niemanden sonst. Otero bringt ihre eigenen Texte zum Tanzen. Texte, die das surreale, dramatische, emotional chaotische und oft obsessive Gefühls-, Berufs- und Liebesleben der Argentinierin verhandeln und gleichzeitig neu erfinden. So verweist sie Trennlinien zwischen biografischer Authentizität und Fantasie in den Bereich der Fiktion.

In «Fuck me», «Love me» und schließlich «Kill me», uraufgeführt bei «Montpellier Danse» im Sommer, schlägt sie zu wie eine verbale Boxerin, bearbeitet ihr Double, das niemand anderes ist als sie selbst. «Ich spürte, dass die erfundene Marina mich vor der realen würde retten können», erklärt sie. Und liefert ungeschminkte Wahrheit, psychisch und physisch: «Ich weiß, dass ich Sie schockieren werde, aber ich spreche es lieber aus, als zu schweigen!» Was nicht automatisch bedeutet, dass Voyeure hier auf ihre Kosten kämen. Da zählt Otero die Symptome eines (ihres?) Borderline-Syndroms auf und erklärt: «Es existiert kein Pakt der Wahrheit mit der Biografie, da sich zu erinnern ohnehin bedeutet, dass man retouchiert.»

Ihre Trilogie stellt sie unter den Titel «Recordar ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2024
Rubrik: Kalender, Seite 26
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Mentor und Motor

Ein Sommertag in Charlottenburgs schönster Ecke, wo die Straßen allesamt nach Bäumen benannt sind. Im Hochparterre einer Jugendstilvilla empfängt Hanns Zischler, einer der berühmtesten Schauspieler der Republik: Wenders, Schlöndorff, Petersen, Godard … nur einige eminente Regisseure, mit denen er gedreht hat. Außerdem hat er wunderschöne Bücher geschrieben, über...

Musenkuss

Elisa Badenes, Sie sind Erste Solistin des Stuttgarter Ballett – wann haben sie zum ersten Mal davon gehört, dass Sie in einem Film mitspielen werden? 
Das ist sehr lange her, wir hatten ein Treffen mit dem Regisseur Joachim Lang. Wir dachten, wir drehen ein paar Ballettszenen oder machen eine Dokumentation, das kannten wir schon. Aber ein Film, ein echter...

Dada Masilo «Hamlet»

«Sein oder Nichtsein». Hamlet tritt ins Licht und rezitiert, von Geigenklängen begleitet, die wohl berühmtesten Verse der Theaterliteratur in schwarzem Smoking. Ein Klischee? Fühlt sich so an, und es werden noch einige weitere folgen, in den kommenden 70 Minuten voller Betrug, Liebe, Rache und Gewalt. Doch dafür entschädigt vieles in Dada Masilos jüngster Arbeit,...