Klimakiller

Tourende Tanzkompanien, die Kerosin verbrauchen, sind ein No-Go. Doch wie kommen sie künftig zu den Menschen? Und: Wie viel Provinzialismus erzeugt die Klimadebatte?

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Nahezu sang- und klanglos ist er untergegangen, Deutschlands großer Klimakiller unter den Tanzfestivals. Das vom VW-Konzern betriebene Festival «Movimentos» gibt es nicht mehr. Trotz eines aufwendigen Neubaus in letzter Minute. Gescheitert ist es am Dieselgate des Vorstands und dessen Manipulation von Abgaswerten. Dabei wollte «Movimentos» ein Star sein.

Seine Exklusivität verdankte es der Potenz, eine Tanzkompanie aus Australien, Brasilien oder Südafrika mit sehr viel Geld dazu zu bewegen, ausschließlich nach Wolfsburg zu reisen, um hier in einem stillgelegten Kraftwerk deutschlandweit das einzige Gastspiel zu geben. Das hieß: Die Kompanie durfte ihre Tournee nicht nach Berlin, Hamburg oder ins Ruhrgebiet fortsetzen. Das Publikum musste reisen. Und Kompanien wurden von möglichst weit her eingeflogen, um am Tag nach der Vorstellung gleich wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Jede Form von Nachhaltigkeit ließ sich damit ausgezeichnet vermeiden. Das Konzept passte zu einem Festival, das aus der Provinz heraus einen deutschen Hotspot der Aufmerksamkeit finanzieren wollte. Und es auch konnte. Aber: Das Konzept passte nicht mehr zum Image eines Autobauers, der sich nun redlich müht, ...

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Tanz August/September 2021
Rubrik: Nachhaltigkeit, Seite 38
von Arnd Wesemann

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