Katharine Sehnert 2019
Die Energie der Tänzerin Katharine Sehnert verblüfft. Wir sitzen in ihrer Kölner Wohnung, umgeben von Aktenordnern mit Zeitungsartikeln, Kritiken, Programmheften und Fotos. Vergangenes wird wieder lebendig. Es wird viel gelacht. Ab und zu springt Sehnert von ihrem Stuhl auf, zeigt eine Schrittkombination, demonstriert eine typische Wigman-Geste und macht Differenzen deutlich. Die Küche wird zum Ballettsaal.
Seit die 1937 in Erfurt Geborene bei Mary Wigman zu tanzen anfing, hat sie den respektvollen Blick auf das Werk und die Methode der großen Wegbereiterin des modernen Tanzes nicht aus den Augen verloren. Sehnert gilt als Expertin. Als 2013 die Theater Osnabrück und Bielefeld mit Unterstützung des Tanzfonds Erbe Wigmans 1957 uraufgeführte Choreografie von «Le Sacre du printemps» reproduzieren, wird sie ins Team von Henrietta Horn geholt und schnell zur unentbehrlichen Informationsquelle. 2017 folgen «Totentanz I + II» aus den 1920er-Jahren – und wieder ist Sehnert mit von der Partie. Wer die Produktionsdokumentationen, darunter auch ein einstündiges Feature über die Recherche zu «Sacre», auf www.tanzfonds.de anschaut, der sieht eine so agile wie sensible Restauratorin der ...
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Tanz Januar 2019
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Ric Schachtebeck
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Newcomer: Patricia Guerrero
Mit Patricia Guerrero kommt Ende Januar eine der spannendsten jungen Tänzerinnen der neuen Flamencoszene zur «Flamenco Biënnale Nederland» nach Holland.
Sie stammt aus Granada, stand mit acht Jahren zum ersten Mal auf der Bühne, mit 17 gewann sie den «Premio Desplante», eine der wichtigsten Auszeichnungen Spaniens für junge...
Der Erste Weltkrieg blieb an den Ufern der Yser stecken. Der kleine Fluss bildete jahrelang eine Frontlinie zwischen deutschen Besatzern und belgischen Soldaten. Und ist bis heute eine Demarkationslinie auch zwischen dem französischen und dem belgischen Flandern. Der Fluss war zwischen 1914 und 1918 die Hölle: «Alles wird Wüste. Eine Urlandschaft. Ein elender...
