Foto: Roman Novitzky
Jessica Fyfe
Sie hätte Milena Jesenská verkörpern sollen, «ein lebendiges Feuer, wie ich es nie gesehen habe», so Franz Kafka einmal in einem Brief an Max Brod. Bekanntlich ist es zu dem «Kafka»-Ballett von Marco Goecke in Stuttgart nicht gekommen, und das ist schon deshalb bedauerlich, weil Jessica Fyfe so ganz und gar der Vorstellung Kafkas entspricht: Sie ist «äußerst zart, mutig, klug, und alles wirft sie in das Opfer hinein oder hat es, wenn man will, durch das Opfer erworben».
Die Bianca in «Der Widerspenstigen Zähmung» von John Cranko hat sie bereits verkörpert. Auch die Kantorka im «Krabat»-Ballett von Demis Volpi. Beides «Sternstunden» des Stuttgarter Balletts, und das nicht nur des Sternchens wegen, das auf dem Programmzettel ein Rollendebüt signalisiert. Mitten in der Spielzeit tauchte sie als Halbsolistin wie aus dem Nichts auf – an sich schon ein ungewöhnlicher Vorgang innerhalb einer Kompanie, in der man für gewöhnlich die Karriereleiter von der untersten Sprosse aus erklimmt. Die Ballerina aus Brisbane, Australien, war insofern von Anfang auch ganz da, als sie keinen Augenblick lang auf Nummer sicher ging, sondern sich spielfreudig, spontan und stupend in das tänzerische ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 172
von Hartmut Regitz
Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich...
Warum gehören Cecilia Bengolea und François Chaignaud hierher, die doch frech alles an Tanzstilen zusammenrühren, was auf Straßen und in Clubs nicht bei drei in der Versenkung verschwunden ist? Genau deshalb, weil das im französischen Lyon beheimatete Choreografenduo einfallsreich durcheinander mixt, was scheinbar gar nicht zusammengehören kann – und weil die...
Das Theater braucht eine Struktur. Die sieht heute so aus: Entweder man arbeitet in der freien Szene, hangelt sich von Projekt zu Projekt, von Antrag zu Antrag, von Residenz zu Residenz, von Gastspiel zu Gastspiel, immer unsicher, immer unterbezahlt, immer anpassungsbereit. Oder man fügt sich in das System eines Stadttheaters. Auch dort gibt es Freiheiten,...
