Hoffnungsträger: Kinsun Chan
Als Heinz Spoerli im Jahr 2000 einen Abend mit Stücken von Tänzerinnen und Tänzern des Zürcher Balletts präsentierte, fiel eines aus dem Rahmen: «Above Ground» von Kinsun Chan zu «Tic Tac» des Perkussionisten Fritz Hauser. Das kurze Stück war so viel reifer und professioneller als die anderen, dass wir eigentlich gerne mehr von dem kanadischen Tänzer gesehen hätten. Stattdessen sahen wir weniger von Kinsun Chan. Der profilierte Solist zog weiter zum Ballett Basel, choreografierte dort auch für die Kompanie von Richard Wherlock und für dieses und jenes Projekt.
Ich selbst sah erst zehn Jahre später wieder eine seiner Arbeiten: «Bing, Bang, Boom» am Luzerner Theater in der ersten Spielzeit von Kathleen McNurney. Es war dies ein Kleinod von einem Stück, in leichter Verbindung von Pop und Poesie, wie man das diese Saison wiederum in Luzern in «Paddington Bär» erleben konnte. In beiden Stücken entwickelt sich der Tanz aus dem Raum heraus, der die Geschichte birgt und immer nur Teile von ihr preisgibt.
Kinsun Chan hat nicht nur Ballett, sondern auch Grafik und Design studiert und zeichnet immer für die Ausstattung seiner Stücke sowie für die mancher Kolleginnen und Kollegen. So hat das St. Galler Publikum ihn erst als Bühnenbildner seiner Vorgängerin Beate Vollack kennengelernt, bevor er, so hoffe ich, als- neuer -Tanzchef da nun den Tanz in unsere Zeit zurückführt. Zu wünschen wäre dies dem Publikum, aber auch den Tanzschaffenden in der Ostschweiz. Nach dem Weggang von Marco Santi, dem Vorgänger Beate Vollacks, sind zwar einige kreative Talente hängen geblieben – zu wenige, um in St. Gallen eine lebendige Szene herauszubilden. Kinsun Chan hat viele Tänzerstellen neu besetzt und arbeitet neu mit dem Bachelor-Studiengang Contemporary Dance der Zürcher Hochschule der Künste zusammen.
Auf die Probe stellt er sich erstmals am 17. Oktober mit «Rain» nach dem Gedicht «The Rainy Day» von Henry Wadsworth Longfellow, dann noch einmal im Januar. Für weitere Arbeiten hat er Stephanie Lake und Dimo Kirilov Milev beauftragt.
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 167
von Lilo Weber
Meine Glücksbringer sind seit jeher Ein-Cent-Münzen, die ich oft auf der Straße finde, wenn ich spazieren gehe und die Gedanken schweifen lasse. Die Idee dahinter ist: Wenn ich stehen bleibe und die Münze aufhebe, dann ist das ein Zeichen dafür, dass ich bescheiden und demütig bleibe. Ich bin überzeugt davon, dass «Werke» immer auch ein bisschen «Glück» brauchen. Man mag das als...
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