Goyo Montero «Der Steppenwolf»
Nürnbergs Ballettchef Goyo Montero hat die Dürer-Stadt seit 2008 in einen Hotspot des zeitgenössischen Tanzes verwandelt: erst zahmes Anschleichen mit Handlungsstoffen wie «Aschenputtel», dann Anziehen der Drama-Stellschrauben bis hin zur gesellschaftspolitisch brisanten «Sacre»-Version (2019), jetzt kritische Bestandsaufnahme der Gegenwart – in Gestalt einer Fiktionen-Fakten-Fusion.
1927 veröffentlichte Hermann Hesse den literarischen Ich-Trip «Der Steppenwolf», 1974 ließ sich der große Kunstschamane Joseph Beuys tagelang mit einem Kojoten, vulgo Steppenwolf, in einer New Yorker Galerie einschließen. Montero zieht Roman und artivistische Aktion zusammen zu einer tiefschwarzen Parabel, die den Stand der Dinge ziemlich gut bespiegelt.
Ausgestattet mit audiovisueller Supertechnik und einer E-Partitur von Owen Belton, stürmt der hybride «Steppenwolf» die Bühne des Nürnberger Opernhauses und entfesselt dort ein Panoptikum aus Traum- und Alptraumbildern, verpackt in eine flächig raue Tanzästhetik. Im Mittelpunkt der Buchvorlage steht Harry Haller: Mann in der Midlife-Crisis, ist er ein klassischer Anti-Held, ein zwischen Bürgerlichkeit und Künstlerhabitus, Logos und Lustprinzip ...
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Tanz Februar 2024
Rubrik: Kalender, Seite 41
von Dorion Weickmann
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