claire bauroff...
Die Obrigkeit schritt ein und entfernte die Fotos aus der Vitrine. Am Berliner Admiralspalast war das Auftreten von Claire Bauroff angekündigt, die anstößigen Stellen waren nicht überklebt. Obwohl man überall in den Revuen gegen Eintritt Beine, Pos und Brüste bewundern konnte. Auch waren diese Bilder 1925 bereits in zahlreichen Illustrierten und Magazinen gedruckt worden: künstlerische Aktfotografien, das Modell die Tänzerin Claire Bauroff.
Im Wiener Atelier der Porträtistin Trude Fleischmann (1895–1990) war 1924 die Fotoserie entstanden.
Sie beschleunigte die Karriere der Tänzerin. Claire Bauroff (1895–1984) brachte sich als Choreografin von Abendfüllern, mit Solotanzabenden und Nummern in Ausstattungsrevuen in die Diskussion. Trude Fleischmann, die mit diesen Fotos einen neuen Blick auf den weiblichen Körper inszenierte, verkörperte auch selbst den Typus der jungen selbstbewussten Frau. Und hatte Erfolg mit ihren gemäßigt modernen, «Sachlichkeit» mit Psychologisierung verbindenden Bildnissen. Während die 1938 nur mit ihrer Kamera und einem Fotoalbum geflüchtete Fotografin wiederentdeckt und mit einer großen Retrospektive gewürdigt wurde, ist die Tänzerin heute nahezu vergessen. ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: medien, Seite 56
von Thomas Betz
«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst...
Ivana Müller tut es, Xavier Le Roy und der Künstlerzwilling deufert + plischke tun es, und die Tänzer-Choreografen von «Collect-if by Collect-if» haben es zumindest einmal getan: ausprobiert, wie es ist, gemeinsam zu arbeiten. «Kollaborative Praxis» heißt das, und was man sich unter diesem der Therapie entlehnten Begriff im zeitgenössischen Tanz vorzustellen hat,...
...heißt eine Dissertation, die mal nicht darüber meckert, dass «Prekariat» jene Klasse von Tänzern bezeichnet, die zu wenig Geld für ihre Arbeit an sich selbst erhält. Jochen Roller hat das ja mal wunderbar thematisiert, ihm wird ein ganzes Kapitel gewidmet. Aber Katharina Pewny erweitert den Begriff, übersetzt ihn wörtlich mit «ungesichert», «verletzlich». So...
