yui kawaguchi über missverständnisse
Yui Kawaguchi,
im neuen Solo «andropolaroid» tanzt eine Frau in einem Neonröhrenwald. Ihr Körper wird konfrontiert mit Sprach- und Soundcollagen. Die Rettung scheint eine japanische Flagge zu sein, ein weißer Lichtkreis, in dessen Mitte ein roter Kapuzenpullover liegt. Steht Japan für Geborgenheit? Ist Deutschland, wohin es die Frau verschlagen hat, ein flackernder Wald aus Lichtblitzen und Sprachfetzen? Verstehen ist ja ein sprachliches Problem, kein tänzerisches. Das beginnt schon beim Titel.
«andropolaroid» kann man übersetzen mit «ein sich entwickelnder Mensch», chemisch, wie bei einer Polaroidkamera, aber das heißt ja nicht, dass wir verstehen, was da passiert. Es ist wie bei einem Traum. Kann man ihn verstehen? Man kann ihn genießen, aber lässt er sich auch übersetzen wie eine Sprache? Das Japanische besteht selbst aus zahlreichen Übersetzungen. Man benutzt Worte, die in drei verschiedenen Schriftzeichen dargestellt werden können, in zwei Lautschriften, Hiragana und Katakana, und einer Silbenschrift, Kanji. Jede löst ganz andere Assoziationen aus.
Welche denn? Bleiben wir beim Wort «Traum». Das japanische Zeichen für «Traum» besteht von oben nach unten gelesen aus den ...
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