William Forsythe: «Clouds after Cranach»
Die Auflösung kommt erst zum Schluss, als die Performance schon vorüber ist. Beim Verlassen des Bockenheimer Depots, wo William Forsythes neustes Stück «Clouds after Cranach» uraufgeführt wurde, fällt der Blick auf zwei Bilder an einer schwarzen Wand. Das eine zeigt Lucas Cranachs Gemälde «Klage unter dem Kreuz». Das andere ein Pressefoto, auf dem vier uniformierte Männer einen Mann von einem Haus wegschleppen, aus dem Rauchwolken aufsteigen. Wo am rechten oberen Bildrand auf Cranachs Gemälde Wolken zu sehen sind, befindet sich auf dem Foto der Rauch.
Die Wolken, die David Kern schon in «Three Atmospheric Studies», zu denen man auch dieses Stück zählt, beschreibt, sind nicht nur Cranach nachempfunden. Sie folgen ihm auch zeitlich. Über die fünf Jahrhunderte seit der Entstehung des Gemäldes sind sie zu Zeichen der Zerstörung geworden, ausgelöst durch die Explosion von Granaten, die im Nahen und Mittleren Osten Menschen töten.
Auffallend im ersten Teil des 55-Minüters für zwölf Tänzer sind die Posen, in die die Kompanie immer wieder verfällt. Ängstlich und flehend schaut sie gen Himmel oder richtet den Blick auf ihr Gegenüber, während alle in kleineren Gruppenformationen erstarren, ...
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