westfenster
Wer in den 1970er-Jahren in Berlin nach zeitgenössischem Tanz suchte, der blieb ohne Erfolg. Tanz – damit assoziierten die Einwohner der geteilten Stadt: klassisches Ballett, Tatjana Gsovsky und Opernhaus. Die letzten Impulse der deutschen Tanz-Avantgarde hatten sich verflüchtigt, das Essener Folkwang-Studio lag in weiter Ferne, und die «Internationale Sommerakademie des Tanzes» in Köln war nur Eingeweihten bekannt.
Allein die Festival-Reihe «Pantomime-Musik-Tanz-Theater» in der Akademie der Künste, die Dirk Scheper und Nele Hertling 1966 ins Leben gerufen hatten, brachte einmal im Jahr, parallel zum Theatertreffen, frischen Wind in die Stadt. Im Mai 1975 präsentierte Scheper neben den Ensembles von Pilobolus und José Limón die deutsch-amerikanische Tanzkompanie Group Motion. Sie eröffnete das Festival mit «Crossing The Great Stream», einer dreiteiligen Produktion, die choreografische Sequenzen mit improvisatorischen Phasen vermischte, Film- und Diaprojektionen als inszenatorische Mittel einsetzte und mit einer aufblasbaren, raumfüllenden Skulptur überraschte, die sich bedrohlich nah in Richtung Publikum schob. Die Vorstellung traf mich mit großer Wucht, denn nie zuvor war mir die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2014
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Ric Schachtebeck
Im Jahr 1738 gründete der Franzose Jean-Baptiste Landé die Ballettschule am Petersburger Hof von Zarin Anna Iwanowna und legte damit das Fundament für eine Bühnenerziehung nach westlichem Vorbild. 1934 übernahm Agrippina Waganowa (1871 – 1951) die Leitung der Schule. Die einstige Ballerina der Petipa-Epoche setzte auf eine Erneuerung des klassischen Tanzes und...
_____deutschland
On tour
«18. Internationales Solo Tanz Theater Festival», Gala der Preisträger: Tom Weinberger mit «Nemek», Josh Martin mit «Leftovers», Jann Gallois mit «P=mg», Annamari Keskinen in «Cold Bright She» von Shannon Gillen, Hemabharathy Palani mit «TRIKONANGA» und Jain Souleymane Kone mit «Maa Labyrinthe»: Stuttgart, Treffpunkt Rotebühlplatz, 14., 15....
Kuratoren, Galeristen, Kunstprofessoren winken routiniert ab, sobald jemand mit der Frage aufschlägt: Wo bitte geht‘s zur Avantgarde? Selbst Originalität gilt heute als problematisches Unterfangen, war doch … alles schon mal da. Tanzkreative hören über ihr eigenes Schaffen denn auch häufig nichts lieber als: «Das sieht nach Billy aus.» Was so viel bedeutet wie: Du...
