sternstunden
Adolphe Binder und Aurélie Dupont, designierte Leiterinnen des Wuppertaler Tanztheaters resp. des Pariser Opernballetts (Seite 32 und 24), sind die Ausnahme. Aufs Ganze gesehen, gehört den Frauen bekanntlich weder die Hälfte des Kunsthimmels noch die Hälfte des irdischen Beritts. Quotierungskampagnen haben daran bislang so wenig geändert wie die Entdeckung, Vermessung und typografische Ausweisung des gender gap. Neuerdings fällt dessen Kennzeichnung besonders putzig aus. Wo einst der Unterstrich resp.
ein großes «I» demonstrierten, dass beispielsweise Tänzer_innen und ChoreografInnen mit der Berufsbezeichnung «Tänzer» und «Choreograf» ausschließlich, wie es fachbegrifflich heißt, «generisch maskulin» erfasst werden, prangt nun ein schnucklig gezacktes Symbol. Ein Zeichen, so recht dazu angetan, die fortschreitende Infantilisierung der Gesellschaft zu beglaubigen: Wer außer ABC-Schützen kommt auf die Idee, seine Wortgebilde mit niedlichen Sternchen zu garnieren? Die Astro-Artefakte aber haben in Windeseile Karriere gemacht und das offiziöse Terrain von Pressemitteilung, amtlichem Statement, Ausschreibung erobert. Mehr noch: Auch die journalistische Zunft wird zu «gendersensibler» ...
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Tanz März 2016
Rubrik: Editorial, Seite 3
von Dorion Weickmann
Ein Tänzer macht einen Handstand auf dem Kopf einer lebensgroßen Puppe. Wäre dieser Handstand künstlerisch motiviert, wäre er nicht akrobatisch. Es ist aber ein akrobatischer Handstand, weil ihn kaum einer so ausführen kann wie Florian Zumkehr. Darum ist es keine Kunst. Zwar würde Florian Zumkehr, dessen «Nummer» in Berlin im Rahmen einer «Show» namens «Dummy lab»...
Glück war Dmitri Schostakowitsch bei Stalins Parteiobrigkeit mit seinen drei sowjetischen Balletten nicht beschieden: Alle wurden sie im Zuge der Formalismus-Anwürfe nach 1936 verboten. Hatte «Das goldene Zeitalter» fast zwei Dutzend Reprisen, kam «Der Bolzen» nicht über die Premiere hinaus; «Der helle Bach» wurde von der «Prawda» gar als «Ballett-Betrug»...
Wer sein Kind ermordet, um es für das Kriegsgeschäft in einer Wette auf das Wetter zu opfern, wie es Agamemnon tat, 2500 Jahre alter Antiheld des Bestsellerautors Aischylos, der das Blut seiner Tochter Iphigenie gegen Nordwind tauschte, ist ein echter Idiot. Lüneburgs Tanzchef Olaf Schmidt besetzt ihn trotzdem mit einem Heldenkörper, Wallace Jones. Dessen Tod...
