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Adolphe Binder und Aurélie Dupont, designierte Leiterinnen des Wuppertaler Tanztheaters resp. des Pariser Opernballetts (Seite 32 und 24), sind die Ausnahme. Aufs Ganze gesehen, gehört den Frauen bekanntlich weder die Hälfte des Kunsthimmels noch die Hälfte des irdischen Beritts. Quotierungskampagnen haben daran bislang so wenig geändert wie die Entdeckung, Vermessung und typografische Ausweisung des gender gap. Neuerdings fällt dessen Kennzeichnung besonders putzig aus. Wo einst der Unterstrich resp.

ein großes «I» demonstrierten, dass beispielsweise Tänzer_innen und ChoreografInnen mit der Berufsbezeichnung «Tänzer» und «Choreograf» ausschließlich, wie es fachbegrifflich heißt, «generisch maskulin» erfasst werden, prangt nun ein schnucklig gezacktes Symbol. Ein Zeichen, so recht dazu angetan, die fortschreitende Infantilisierung der Gesellschaft zu beglaubigen: Wer außer ABC-Schützen kommt auf die Idee, seine Wortgebilde mit niedlichen Sternchen zu garnieren? Die Astro-Artefakte aber haben in Windeseile Karriere gemacht und das offiziöse Terrain von Pressemitteilung, amtlichem Statement, Ausschreibung erobert. Mehr noch: Auch die journalistische Zunft wird zu «gendersensibler» ...

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Tanz März 2016
Rubrik: Editorial, Seite 3
von Dorion Weickmann

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